Wenn der Euro glänzen soll, muss ihn jemand putzen. Also wienern eine Handvoll Gebäudereiniger in Frankfurt vor der Europäischen Zentralbank den riesigen €-Leuchtbuchstaben. Schon in der Eröffnungsszene macht der Regisseur Jan Peters klar: In seinem teildokumentarischen Spielfilm "Nichts ist besser als gar nichts" geht es um Arbeit und Geld und die Menschen, die beidem einen Wert geben.

Peters stellt sich selbst in den Mittelpunkt seiner Geschichte: Seine Freundin ist an den Amazonas geflogen und hat aus Versehen seine Brieftasche mitgenommen. Jetzt steht er ohne Geld am Frankfurter Flughafen. Alles, was ihm bleibt, ist ein Gruppenticket der Frankfurter Verkehrsbetriebe. Dieses Ticket wird Peters' Einnahmequelle in den kommenden sechs Wochen: Er hilft Reisenden, Geld zu sparen, indem er sie mit der Gruppenkarte von einer Haltestelle zur anderen begleitet und dafür ein, zwei Euro pro Fahrt verlangt.

Die Rahmenhandlung, die sich Peters ausgedacht hat, ist so offensichtlich konstruiert, dass wir verstehen: Der Film ist keine klassische Dokumentation. Er ist ein Kunstprojekt.

Der Kameramann Marcus Winterbauer begleitet Peters jeden Tag zu den Fahrkartenautomaten. Aus unmittelbarer Nähe filmt er das Entstehen einer Geschäftsidee und ihre immer professioneller werdende Umsetzung. Vor allem aber filmt er die Menschen, die fortan Peters "Kunden" sind.

Zum Beispiel ein junger Mann, der eine Ausbildung zum Gebäudereiniger macht und einiges lernt über den Unterschied zwischen "feucht scheuern" und "feucht wischen". Er bereitet sich auf eine Erwerbstätigkeit vor, die ein weiterer Kunde, ein Akademiker, später im Film als "Scheißjob" bezeichnen wird. Peters lernt Bienenzüchter kennen, die unter anderem auf dem Dach eines Museums Bienenvölker betreuen, und eine ehemalige Tagesmutter, die eine Petition eingereicht hat, weil sie das System ändern will. Sie spricht übrigens nicht vom "System", sondern von "einem Pulli". Es würde nichts mehr nützen, an dem zerschlissenen Ding noch herumzuflicken, sagt sie. Ein neuer müsse her.

Mit der Steadycam hat das Team viel in Bahnhöfen, Bussen und S-Bahnen gedreht. Das Neonlicht beleuchtet die Gesichter der Menschen häufig unvorteilhaft, betont jedoch die Ungestelltheit der Aufnahmen. Der Fokus liegt immer auf den Menschen. Wir sehen die, von denen wir sonst höchstens die erledigte Arbeit wahrnehmen: den Putzmann, der die Mülleimer leert, oder den Mann, der am Flughafen die Gepäckwagen zusammenschiebt.

Der Effekt: Je näher man diese Menschen kennenlernt, umso deutlicher wird, dass es eine ganze Reihe von Lebensentwürfen gibt, die die Menschen hart am Rand unserer Mittelschichtsgesellschaft entlangführen. Abwegig erscheinen deren Modelle zur Existenzsicherung am Ende des Films jedoch nicht mehr.

Zwei seiner Bekanntschaften macht Peters zu Hauptdarstellern seines Films. Man mag kaum glauben, dass er sie zufällig getroffen hat: den promovierten Philosophen Maik, der Unternehmen berät und Schüler unterrichtet, die von unserem Bildungssystem wieder ausgespuckt worden sind. Und Jürgen, der an einem provisorischen Bahnhofsstand Straßenzeitungen verkauft und für eine letzte Wendung des Selbstversuchs sorgen wird.

Peters und seine Kunden lassen kein Schlagwort aus. Sie reden von der Sinnhaftigkeit der Arbeit, von Automatisierungsprozessen, Ertragsreichtum, Job-Satisfaction , Corporate Identity, von Visionen und Missionen und Business-Plänen. Das klingt so furchtbar, dass man es nur mit Humor ertragen kann. Davon hat Peters sympathischerweise ausreichend.

Irgendwann steckt er in einem just etwas zu knapp geschnittenen Arbeitsoverall und spricht von sich selbst als humanoide Verlängerung des Fahrkartenautomaten. Er schafft es, dass wir seine Sozialkritik lächelnd annehmen und mit viel Empathie für all seine Figuren aus dem Film gehen. Das ist ein großes Verdienst, weil es die Menschen um uns herum sind. Wenn der Euro glänzen soll, muss ihn jemand putzen. Also wienern eine Handvoll Gebäudereiniger in Frankfurt vor der Europäischen Zentralbank den riesigen €-Leuchtbuchstaben. Schon in der Eröffnungsszene macht der Regisseur Jan Peters klar: In seinem teildokumentarischen Spielfilm "Nichts ist besser als gar nichts" geht es um Arbeit und Geld und die Menschen, die beidem einen Wert geben.