Die Serie Saw inszeniert Splatterfilme als makabere Gameshow. Auch in der jetzt anlaufenden siebten Folge denken die Killer sich makabre und vor allem potenziell tödliche Aufgaben aus, um den Überlebenswillen ihrer Opfer zu testen. "Leb oder stirb!", heißt es. "Triff deine Wahl!" Am Leben bleibt, wer etwas opfert, an dem er hängt, meistens ganz buchstäblich ein Stück des eigenen Körpers.

Dabei moralisiert die Serie gerne. Im zweiten Teil sollte sich ein Polizeispitzel ausgerechnet das Auge rausschneiden. Im letzten Teil mussten sich Kredithaie ihren Speckbauch absäbeln. Saw 3D treibt die Suche nach Opfern, die Strafe verdient haben, auf die Spitze. Im Verlauf des Films werden zwei Skinheads und ein schlechter Sachbuchautor hingerichtet. Einer der Skinheads wird dazu gezwungen, sich selbst die Haut abzuziehen, damit er sieht, dass von innen alle Menschen dieselbe Farbe haben. Der Sachbuchautor muss den Quatsch, den er sich ausdenkt, nachspielen.

Für Nichteingeweihte: Es gibt auch eine Rahmenhandlung, die alle sieben Teile zusammenbiegt. Einst wollte der unheilbar an Krebs erkrankte John Kramer durch diese Art von Spielen anderen Menschen mit Gewalt Dankbarkeit gegenüber dem Leben beibringen. Seit dem dritten Teil ist Kramer jedoch tot und die psychotische Idee wird von seiner Exfrau und einem Polizisten fortgeführt.

Natürlich schaut sich niemand Saw -Filme wegen dieser hanebüchenen Story an. Und natürlich geht es vordergründig darum, eklige und schockierende Bilder zu sehen. Der Reiz der Splatter-Serie besteht jedoch auch in der Absurdität der Szenen, in die die Opfer gezwungen werden, um sie zu quälen.

Wer so etwas sehen will, hat sich auf Saw VII gefreut, denn wie kaum ein anderes Format scheinen Horrorfilme geeignet, in 3D gefilmt zu werden. Die Technologie berührt hier den Kern des Erlebnisses. Der Moment, in dem man die 3D-Brille aufsetzt, fühlt sich an wie der Start einer Achterbahn. Und tatsächlich fesselt die erste halbe Stunde. Es scheint nicht nur der beste Saw zu sein, den man hier sieht, sondern auch einer der besten 3D-Filme, die bislang produziert wurden.

Doch dann passiert das für ein Splattermovie denkbar Schlimmste. Die Grausamkeit wird lächerlich, Effekte werden unglaubwürdig, Bedrohungen banal. Die Macher haben gekniffen.

An den amerikanischen Kinokassen blieb Saw 3D hinter den Erwartungen zurück. Damit scheint John Kramers Nachlass an Videokassetten und Tonbändern wohl endlich aufgebraucht. Es sollten keine entfernten Verwandten mehr auftauchen, um sein Werk fortzusetzen. Doch vorsorglich haben die Produzenten auch diesmal einen Bösewicht überleben lassen.