Handys , Autos , Atomkraftwerke . Milliarden von ordinären Personal Computern und das ganze Internet.

Der Hacker von heute hat es schwer. Es gibt ja so vieles, in das man eindringen, das man mit Würmern infizieren könnte:

Der Mythos des Hackers dagegen speist sich aus einer Zeit, als Computerbildschirme noch grüne Leuchtschrift auf schwarzem Grund zeigten und ein Einbruch ins BTX-Netz des damaligen Staatsunternehmens Deutsche Post ein Angriff auf die sichere Verfasstheit der gesamten Republik war. Als Zeitschriften noch vom Freak mit der "Steckdose in der Schläfe" schrieben.

Vorbei. Im Debütfilm des jungen Regisseurs Alexander Biedermann macht das Reinhard Schrutzki klar. Schrutzki, ein Gründungsmitglied des Chaos Computer Club (CCC), holt in seiner kleinen Hamburger Wohnung einen Commodore 64 aus dem Schrank: "Halb Nikotin, halb vergilbt." Kann man's trauriger sagen? Den C64 muss er vollgeraucht haben, als er die Großrechner der Europäischen Organisation für Kernforschung ( Cern ) als "Hackerfahrschule" benutzte.


Dann ist da Steffen Wernéry, von dem unter anderem das zu erfahren ist: Er arbeitet in einem Hamburger Bunker als Schutzraumwart, lässt sich von Besuchergruppen Konservendosen mitbringen und hat vor geraumer Zeit billig 3000 Türschlösser gekauft, die er nun im unterirdischen Reich einlagert.

Hacker lässt seine Protagonisten die längste Zeit selbst sprechen, nur hin und wieder wird Biografisches auf Texttafeln eingestreut. Das funktioniert, weil das Personal des Films ganz herrliche Schrullen hat. Zum Beispiel Paul Ziegler, der im Film für die junge Generation steht. Ziegler lebt in Tokyo und verbringt seine Tage damit, auf seltsame Weise japanische Mädchen anzubaggern. Nachts arbeitet er für multinationale Firmen.

Oder Marcell Dietl aus Wiesbaden, der schon in jungen Jahren als Virenprogrammierer auffiel. Für den Film setzt er sich rauchend auf Eisenbahnbrücken, erzählt über sein "extrovertiertes Auftreten" und hält im folgenden Moment der Stille dem Blick der Kamera nicht stand. Seine Arbeit beschreibt er so: "Wir waren eine Gruppe von sechs Leute, die sich zusammenfanden, um den ersten plattformunabhängigen OpenOffice-Wurm zu schreiben. Die Windows-Version wurde, wenn mich nicht alles täuscht, in Batch geschrieben."

Ach so!

Alexander Biedermann möchte die Geschichte der fünf Hacker als Psychogramm erzählen, möglichst unangestrengt und ohne technische Details. Doch darum entfleucht das Sujet immer wieder und entzieht sich ins Ungefähre. Was genau ist es nun, das einen Hacker von einem Automechaniker unterscheidet? Die Protagonisten können diese Erklärungsleistung nicht erbringen und verlieren sich in Allgemeinplätzen: "Bach war ein Hacker – er hat vorhandenes zusammengesetzt und daraus etwas geschaffen. Diese Haltung – wenn mir etwas fehlt, mache ich es mir – macht einen Hacker aus." Das kann man in ähnlicher Form auch über Köche oder eben Automechaniker sagen.

Es ist die Gegenüberstellung von alter und junger Generation, die nicht funktioniert. Da eine Pressekonferenz bärtiger Computerfreaks in selbst gebastelten Westen aus Floppydisketten, hier Marko Rogge, der gegen Bezahlung die Sicherheitssysteme großer Firmen testet und bei einem Pils an der Hotelbar von Blackboxtest und Whiteboxtest schwadroniert. Da der legendäre NASA-Hack (der im Film nicht erklärt wird), hier ein Jungspund, der noch einmal erklärt, wie er dem E-Mailprogramm Thunderbird einen Virus untergeschoben hat. Da Steffen Wernéry, der sich seit 1988 aus Angst vor den Behörden keine schriftlichen Notizen mehr macht und sowieso nicht per E-Mail kommuniziert. Hier Marcell Dietl, der seine Fähigkeiten des Wardriving nun nutzen will, "um Schaden abzuwenden".

Die alten Recken des Chaos Computer Club, die ihrer Zeit die Integrität des Staats bedrohten, pflegen jetzt seltsame Hobbys. Die Jungen sind dem Staat egal, ihr Tun wird allenfalls als Wirtschaftskriminalität bestraft. Dabei ist ihr Wissen heute mächtiger denn je, angesichts der Abermilliarden technischen Geräte, die uns umgeben.

Das zu erklären vergisst der Regisseur Biedermann im Versuch, den Gegensatz der Generationen mit Bedeutung aufzuladen. Mit dem Abspann kommt die Ratlosigkeit. Wenigstens ist da noch zu lesen, was es mit den 3000 Türschlössern auf sich hat.