Der Zustand des bei der ZDF-Show Wetten, dass..? verunglückten Samuel K. ist kritischer als zunächst gehofft. Der 23-Jährige habe eine komplexe Verletzung an der Halswirbelsäule, sagte der ärztliche Direktor der Uniklinik Düsseldorf, Prof. Wolfgang Raab. Auch das Rückenmark sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Raab sprach außerdem von vorübergehenden Lähmungserscheinungen. Samuel K. sei außer Lebensgefahr, aber weiterhin in einem kritischen Zustand. Am Sonntagmorgen war der Wettkandidat in der Klinik zweieinhalb Stunden lang operiert worden. Er befand sich am Nachmittag in einem künstlichen Koma.

Zu möglicherweise bleibenden Schäden wollte sich der Klinikchef zunächst nicht äußern. Der Akrobat und Stuntman hatte in der Livesendung versucht, mit Hilfe von Sprungfedern über fünf heranfahrende Autos zu springen . Sein erster Versuch glückte, den zweiten brach er ab, ein dritter Versuch gelang. Beim vierten Versuch schlug Samuel K. auf dem Auto auf, an dessen Steuer sein Vater saß, und blieb anschließend regungslos auf dem Bauch am Boden liegen.

Die Sendung wurde daraufhin abgebrochen, es war das erste Mal in der rund 30-jährigen Geschichte von Wetten dass..? . Während Moderator Thomas Gottschalk zunächst noch zögerlich reagierte, rief seine Co-Moderatorin Michelle Hunziker direkt nach einem Notarzt. Der Wettkandidat wurde daraufhin bei abgeschwenkten Kameras noch in der Halle erstversorgt.

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hatte nach dem Unfall angekündigt , der Sender werde den Unfall "gründlich untersuchen und Lehren daraus ziehen". Bellut lobte zugleich Gottschalk, der "mit dieser schwierigen Situation sehr gut umgegangen" sei.

In der Sendung hätten viele internationale Stars auftreten sollen, wie beispielsweise die Band Take That , die Popsänger Justin Bieber und Phil Collins oder die Schauspielerin Cameron Diaz. Mit prominenten Gästen und spektakulären Wetten wollte das ZDF gegen die zeitgleich auf RTL laufende Castingshow Das Supertalent antreten. Bis zu ihrem Abbruch hatte die Unglücksshow eine besonders hohe Quote: 8,13 Millionen Menschen sahen Wetten dass..? , das entsprach einem Marktanteil von 25,6 Prozent.

Führende Medienpolitiker reagierten auf den Unfall und forderten eine Quotendebatte im deutschen Fernsehen. Der ZDF-Verwaltungsratschef und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck verlangte eine Diskussion über die Risiken, die in Fernsehsendungen eingegangen werden dürfen. Der SPD-Politiker sagte: "Natürlich müssen wir über die Themen sprechen: Wann werden die Grenzen des Verantwortbaren überschritten? Wie viel Risiko darf man eingehen? Und natürlich müssen wir auch über die Themen Nervenkitzel, Waghalsigkeit und Quote reden."

Die Grünen-Medienpolitikerin Tabea Rößner warnte vor einem gefährlichen Buhlen um Fernsehzuschauer. Sie appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Fernsehmacher "im Kampf um Quoten das Maß nicht zu verlieren". Würde und Schutz des Menschen dürften nicht leichtsinnig aufs Spiel gesetzt werden. Sie bat den ZDF-Fernsehrat, sich mit der Thematik zu befassen. "Wir brauchen aber auch eine gesellschaftliche Debatte", sagte Rößner. Die Zuschauer müssten sich fragen, ob sie den Druck des Höher, Schneller, Weiter tatsächlich wollten.