Deutschland hat einen seiner erfolgreichsten Filmemacher verloren: Der Produzent Bernd Eichinger starb am Montagabend während eines Essens mit Freunden im Kreis seiner Familie, wie jetzt bekannt wurde. Der 61-Jährige habe einen Herzinfarkt erlitten, teilte die Produktionsfirma Constantin Film mit.

Man sei geschockt über den Tod und fühle mit der Familie, hieß es. In Eichinger verliere das Unternehmen einen "Freund und Weggefährten, unsere Trauer und den Schmerz kann man nicht in Worte fassen". Er sei "über 30 Jahre lang das Herz der Constantin Film" gewesen und habe die Filmindustrie national wie international geprägt.

Eichinger war eine der erfolgreichsten Filmgrößen der Welt. Seinen Durchbruch schaffte er 1981 mit dem Drogendrama Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Mit Filmen wie Der Name der Rose (1986), Der Untergang (2004), Fantastic Four (2005), Das Parfum (2006), Der Baader Meinhof Komplex (2008) wurde er Deutschlands wichtigster Filmemacher und ging in die nationale Filmgeschichte ein.

Spätestens 1984 machte er sich mit der Verfilmung von Die unendliche Geschichte (Michael Ende, Regie: Wolfgang Petersen) auch international einen Namen. Der von ihm produzierte Film Nirgendwo in Afrika (Regie: Caroline Link) gewann 2003 den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film.

Als Entdecker von Schauspielern wie Til Schweiger und Förderer von Jungregisseuren wie Nico Hofmann bezeichnete die ZEIT Bernd Eichinger Mitte der neunziger Jahre als "Königsmacher des jüngsten deutschen Films". Damals versuchte er sich auch als Regisseur, doch stießen seine Filme bei Publikum und Kritikern auf geteilte Reaktionen. 2005 gab er sein Debüt als Opernregisseur mit Richard Wagners Parsifal an der Staatsoper Berlin, worauf das deutsche Feuilleton allerdings überwiegend negativ reagierte.

Vertreter der Filmbranche zeigten sich bestürzt über die Todesnachricht. "Bernd Eichinger war vielleicht der größte und originellste Filmemacher der deutschen Nachkriegsgeschichte – vielleicht der einzige von wirklichem Weltformat", sagte der Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, der Regisseur Jan Schütte. In ihm verliere die deutsche Filmwelt nicht nur einen Produzenten, sondern auch eine eigene Stimme. Den Präsidenten der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft SPIO, Steffen Kuchenreuther, überraschte die Nachricht am Rande der Verleihung des Medienpreises Diva in München. "Ich bin völlig fertig," sagte er.

Regie hatte Eichinger von 1970 bis 1973 an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen studiert. Schon während des Studiums arbeitete er als Aufnahmeleiter bei der Bavaria Filmgesellschaft, schrieb Drehbücher, spielte eine erste Rolle und führte Regie. So legte er die Basis für seine Karriere als Filmemacher. 1974 gründete er seine erste Produktionsfirma Solaris.

Er war nach 1979 Mitbesitzer der Produktionsfirma Constantin Film, verkaufte seine Anteile aber 2006. Bis zuletzt war er ihr Produzent.

Seine Kindheit hatte er in einem sehr konservativ geprägten Elternhaus im bayerischen Rennertshofen verbracht. Zur Schule ging er in einem von katholischen Geistlichen geführten Internat im Bayerischen Wald. Während seiner Jugendzeit war er Gitarrist einer Rockband, sein Abitur machte er dann in München.

Er sei "filmsüchtig", sagt Eichinger einst über sich selbst. Zwei, drei Filme pro Nacht anzuschauen, das sei kein Problem.

Eichinger hinterlässt seine Ehefrau Katja und eine Tochter. Die 29-jährige TV-Moderatorin Nina Eichinger wurde einem breiten Publikum als Jurorin der RTL-Castingshow Deutschland sucht den Superstar bekannt.