Saubere Arbeit, die Alex hier liefert! Als raffinierter Betrüger inszeniert der Single und Schwerenöter romantische Begegnungen mit Frauen: Er späht sie aus, sammelt intime Details und kreuzt dann ihren Weg, verkleidet als ihr jeweiliger Traummann. Nach ein paar schwülstigen Stunden rät Alex den Frauen, sich im Leben nur mit der allergrößten Liebe zufrieden zu geben. Dann taucht er ab, und alle Frauen glauben fortan wieder an sich selbst: Sie trennen sich von ihren faden Partnern – Alex hat seine Mission erfüllt.

Der Auftragslover wird gut bezahlt. Freunde und Eltern der Frauen heuern ihn an, um die Freundin oder die Tochter wachzurütteln, die sich mit einem miesen Mann quält. Im Team mit seiner Schwester (Julie Ferrier aus dem französischen Ladykracher -Remake) und seinem Schwager (François Damiens) durchwühlt Alex den Müll, hört Telefongespräche ab, manipuliert Gefühle, und erst Juliette, eine Millionenerbin, bringt das Undercover-Trio an seine Grenzen: In Monaco bleiben nur fünf Tage Zeit, der kühlen Geschäftsfrau die Traumhochzeit aus dem Kopf zu schlagen.

Trotz dümmlichem Titel steht Der Auftragslover damit in einer sehr ehrenwerten Tradition: Als Balztanz zwischen der schläfrigen Vanessa Paradis und Sympathieträger Romain Duris gelingt eine Romanze, federnd und optimistisch wie Pretty Woman oder Lügen haben lange Beine . Am Besten nämlich funktionieren alle Szenen, in denen der Lügner Alex seine Opfer unterschätzt, fatal zu scheitern droht und plötzlich wild improvisieren muss: Mit einer 08/15-Lösung hat Alex nie Erfolg, und es macht großen Spaß, zu sehen, wie sich Romain Duris als überraschter Gernegroß mit vollem Einsatz abstrampelt – eine französische Charmeoffensive für den internationalen Markt.

Doch Regisseur Pascal Chaumeil will mehr und inszeniert Alex' High-Tech-Tricks und Privat-Spionage im Stil klassischer Bankräuber-, Meisterdieb- oder Hochstapler-Filme. Der Auftragslover soll auch ein Liebesfilm für das "Inception"-Publikum sein, dicht geplottet, hastig erzählt, die Geschichte einer straff orchestrierten Täuschung. Das könnte ein Stoff sein, so kompliziert und reich, dass man sich eine ganze Fernsehserie dazu wünschte.

Leider machen es sich Drehbuch und Inszenierung zu oft zu leicht mit bequemen Zufällen, schlechten Blue-Screen-Effekten, einer fast frauenfeindlich dumpfen, nymphomanen besten Freundin und mit Vanessa Paradis. Zwar spielt Paradis passabel, dennoch hängen viele Makel an ihrer Rolle: Juliette ist ein unklares Abziehbild, dem man nie richtig nahe kommt. Wozu möchte sie heiraten? Wie funktioniert ihre Beziehung? Wo ist ihr Job? Wer sind ihre Bezugspersonen? Unmittelbar vor ihrer Hochzeit hockt sie tagelang isoliert in einem Hotel oder stolziert durch eine fremde Stadt, als stünde sie kurz vor ihrer Witwenverbrennung. Passt schon? Passt nicht!

Nach Pretty Woman -Maßstäben gelingt der Film zwar: Zwei Stunden schnelle, gutgelaunte Unterhaltung. Doch als Betrugs- und Hochstapler-Komödie ist Der Auftragslover fast schon ironisch misslungen, ein enttäuschend schlampiger Film über perfekte Täuschungen. Er zeigt einen gewitzten Verführer in einer Welt, zu schlicht und schludrig gedacht, um auch das Publikum zu verführen, einen Trickser, der nicht durch seine Tricks gewinnt, sondern indem das Drehbuch lügt und schummelt.