Tron: Lagacy gewissermaßen eingescannt und digital bearbeitet, damit er gegen den jüngeren Widergänger seiner selbst antreten kann. Die Dinge sind kompliziert, aber nicht unbedingt komplex in Joseph Kosinskis 3D-Cyber-Thriller Tron: Legacy , der als späte Fortsetzung des Science-Fiction-Films Tron aus den späten achtziger Jahren ins neue Jahrtausend dringt.

Andere lassen sich Botox spritzen oder die Falten straff ziehen, um zwanzig Jahre jünger auszusehen. Jeff Bridges hingegen wurde für

Schon damals, als man die Wirkung digitaler Parallelwelten auf das menschliche Sein allenfalls erahnen konnte, verlor sich Jeff Bridges als Video-Game-Designer Kevin Flynn in seinem eigenen Spiel und fand nicht mehr zurück in die Realität der Gegenwart. Mehr als 20 Jahre hat sein Sohn Sam (Garrett Hedlund) den Vater, der von einem Tag auf den anderen spurlos verschwand, nicht mehr gesehen. Das Trauma des Verlustes sitzt tief in dem 27-jährigen Rebellen, der immer wieder das Firmenimperium, in dem er selbst als Erbe seines Vaters der Hauptaktionär ist, zu sabotieren versucht.

Eines Tages erreicht ihn nun eine Botschaft seines Vaters, und ein Besuch in dessen verlassener Werkstatt endet mit Hilfe des guten alten Laserbeam-Verfahrens mitten in der Cyberwelt Grid , die Flynn in den Achtzigern für sein Computerspiel gestaltete. Der Vater wird hier von seinem digitalen Alter Ego gefangen gehalten, das die Macht an sich gerissen hat, von einer perfekten Parallelwelt ohne menschlich-emotionale Störfaktoren träumt und zur Invasion unserer analogen Realität rüstet.

Kosinski hat seinen Film fast vollständig im künstlichen Cyberspace angesiedelt. Ein durchgestyltes schwarz-weiß-stählernes Universum mit grellen Lichteffekten. Deutlich sichtbar sind die Anleihen an Fritz Langs Metropolis und dem entkolorierten Stil der späten achtziger Jahre. Man merkt, dass der Regie-Neuling Kosinksi aus der Architektur kommt. Das Design bestimmt die Atmosphäre dieses Filmes, der eine etwas krude Geschichte mit hochtechnisierten Kampfsequenzen und futuristischen Verfolgungsjagden gehörig aufmotzt.

Die eng anliegenden Softshell-Anzüge der Figuren wirken ein wenig fetischhaft, gleichzeitig wird streng darauf geachtet, dass niemand zu sexy in Szene gesetzt wird. Trotz allen entschiedenen Stilwillens befindet man sich in einem gesitteten Disneyfilm. Das merkt man auch an der rührseligen Vater-Sohn-Geschichte, die den Film emotional vorantreiben soll, im Vergleich zum futuristischen Design jedoch etwas abgegriffen wirkt.

Tron: Legacy will uns am Ende beibringen, dass die menschliche Unvollkommenheit mehr wiegt als technischer Perfektionismus – eine Botschaft, die nach dem Effektefeuerwerk, mit dem der Film das Publikum in seine Cyberwelten einloggt, nicht gerade glaubwürdig daherkommt. Den eigentlichen Beweis für die medienkritische These muss dann der gute Jeff Bridges liefern, der im Schauspieler-Duell gegen seine jung retuschierte Digital-Version haushoch überlegen ist.