Johannes Naber ist der Preisträger des 32. Max-Ophüls-Festivals. Sein Film Der Albaner , der vom auswegslosen Schicksal eines jungen Migranten in Deutschland erzählt, erhielt den Hauptpreis des Nachwuchsfilmfestivals in Saarbrücken. Ein ganz ähnliches Thema behandelt auch der Gewinner in der Kategorie Kurzfilm: Zwischen Himmel und Erde von York-Fabian Raabe handelt von zwei ivorischen Brüdern, die bei ihrer Flucht nach Deutschland ihr Leben aufs Spiel setzen.



Mit ihrer Entscheidung folgte die Jury einem der Hauptschwerpunkte des Filmfestivals. "Wir hätten eine ganze Themenreihe zum Thema Einwanderung und Migration machen können", sagte der Festivalleiter Philipp Bräuer ZEIT ONLINE. In Abgebrannt etwa begleitet die Regisseurin Verena Freytag eine alleinerziehende Deutschtürkin, die mit der Erziehung ihrer drei Kinder und dem ständigen Kampf um Geld und Behördenentscheidungen kurz vor dem Burnout steht. In dem anrührenden Episodenfilm 180 Grad treffen ein türkischer Vater und eine deutsche Mutter aufeinander, deren Kinder Opfer eines Autounfalls geworden sind.

Auch in den Beiträgen der Dokumentarfilmreihe ging es häufig um Migration – in einigen Fällen wird das Thema erfrischend auf den Kopf gestellt . Flucht in die andere Richtung von Ralf Jacobs handelt von den Zehntausenden Europäern, die jedes Jahr mit ihren Wohnmobilen nach Marokko fahren, um dort zu überwintern. Und in Adopted von Gudrun Widlok und Rouven Rech lassen sich vereinsamte Europäer von ghanaischen Familien adoptieren.

Der Albaner hingegen erzählt die klassische Migrationsgeschichte: Der junge Arben lebt in einem kleinen Dorf in Albanien, von seinen Gastarbeiterjobs in Griechenland kann er kaum leben. Als seine Freundin von ihm schwanger wird, fordert ihre Familie 10.000 Euro Brautgeld von ihm. Die einzige Chance für eine gemeinsame Zukunft sieht der junge Mann darin, das Geld in Deutschland zu verdienen. Als Illegaler in der Fremde merkt er bald, dass er alle moralischen Skrupel verlieren muss, um an sein Ziel zu kommen. Es ist ein Kreislauf aus Angst, Armut und Hoffnungslosigkeit, in die sich Arben verstrickt. Leider ist dieser Verlauf schon zu Anfang des Films vorhersehbar. Der Albaner erzählt zweifellos eine wichtige Geschichte, allerdings tut er es mit sehr konventionellen Methoden.

Man hätte sich gewünscht, die Jury um den Regisseur Dani Levy und den Schauspieler Gottfried John hätte sich für einen etwas experimentierfreudigeren Film entschieden. Und von denen gab es einige im Wettbewerb. Etwa Vergiss Dein Ende von Andreas Kannengießer, ein Film über eine Frau, die nach jahrelanger Pflege ihres demenzkranken Ehemanns plötzlich ausbricht. Der Regisseur, Student an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam , befreit sich durch eine raffinierte Montagetechnik von der chronologischen Erzählstruktur. Das macht diesen Diplomfilm zusammen mit den fantastischen Schauspielern zu einem außergewöhnlichen und ergreifenden cineastischen Erlebnis.

Angenehm leicht und verspielt ist dagegen "Der Sandmann" des Schweizer Regisseurs Peter Luisi. Das skurrile, moderne Märchen handelt von einem Mann, aus dessen Ärmeln und Hosenbeinen plötzlich Sand rieselt, und dessen rätselhafter Beziehung zu einer jungen Sängerin. Der Film gewann in Saarbrücken den Publikumspreis.

Überhaupt, die Schweizer! Wohl noch nie waren so viele herausragende Schweizer Produktionen auf dem Ophüls-Festival vertreten wie in diesem Jahr. Allein ein Viertel der 16 Wettbewerbsfilme stammte von Schweizer Regisseuren, ebenso der Eröffnungsfilm Bad Boy Kummer , eine Dokumentation über den "Borderline-Journalisten" Tom Kummer. So unterschiedlich die Themen waren – Rechtsradikalismus, krebskranke Jugendliche oder eben ein Mann, der Sand verliert – man merkte den Schweizer Filmen eine große Erzählfreude und Unverkrampfheit an.