ZEIT ONLINE:  Herr Adorf, wie war Ihre erste Begegnung mit Bernd Eichinger?

Mario Adorf:
  Er kam zum ersten Mal auf mich zu, als ich im  Romagna Antica in München saß, dem Vorbild des Restaurants Rossini. Er machte damals die German Classics und war sich nicht zu schade, vor mir niederzuknien und zu sagen: 'Mario Adorf, ich verehre Sie, ich mag Sie, ich möchte, dass Sie eine Rolle spielen in Das Mädchen Rosemarie .' Es kam dann allerdings nicht dazu.

ZEIT ONLINE: Dafür spielten Sie 1997 den Kapitän Sigmund Lukas in Eichingers Produktion Fräulein Smillas Gespür für Schnee .

Adorf:
 Bei Fräulein Smilla sind wir ziemlich aneinander geraten. Eichinger strich zwei Rollen weitgehend zusammen – und zwar ausgerechnet die von Jürgen Vogel und mir. Ich bin ihn damals hart angegangen und habe gesagt: Du bist unfair. Du machst einen internationalen Film, aber verrätst dann deine deutschen Schauspieler. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen negativ, ändert aber nichts daran, dass ich Eichinger als wichtigste Figur des deutschen Nachkriegsfilms anerkenne.

ZEIT ONLINE: Welches waren Ihrer Ansicht nach seine größten Verdienste?

Adorf: Er war immer der Mann, der auch international ambitioniert war. Der Einzige, der die Parole "Think Big!" vertrat. Er hat zwar nicht immer Großes gemacht, aber er hat zumindest groß und international gedacht und auch versucht, das durchzusetzen. Artur Brauner und Horst Wendlandt waren auch große deutsche Produzenten. Aber sie waren vor allem Geschäftsmänner, während Eichinger der besessene Filmemacher war. Als Regisseur, als Drehbuchautor, aber vor allem eben als Produzent. Bei aller Kritik, die ich an ihm geübt habe, habe ich das immer so gesehen. Wir sind nach diesen beiden Filmen nicht mehr so richtig zusammengekommen, das ist schade.