Ein einzelner, roter Ballon reißt Marie aus ihren Gedanken im Hier und Jetzt. Auf der Erinnerungsreise in ihre Vergangenheit trifft die alte Frau als kleines Mädchen auf den jüdischen Straßenclown Jakob. Der verteilt auf dem Marktplatz Ballons an jeden, der ihm ein Lächeln schenkt. Als die kleine Marie ihm statt eines Lächelns ihren Apfel anbietet, kommt es zu einem folgenschweren Missverständnis.

Maries Lächeln bewegt sich auf mehreren Zeitebenen, die der Regisseur Michael Schäfer gekonnt miteinander verknüpft. Der Film verbindet Maries Erinnerungen mit der Gegenwart, um beide letztendlich zusammen zu führen.

Mit sehr viel Gefühl für Details bildet der Film die Atmosphäre der NS-Zeit ab. Maries Lächeln ist bis auf die verhaltene Hintergrundmusik ein stummer Film. Der fehlende Dialog ist jedoch kein Manko. Die Schauspieler tragen den Film durch ihr ausdrucksstarkes Spiel.

Der Regisseur Michael Schäfer ließ sich zu dieser Geschichte durch Gespräche mit seinen Großeltern und weiteren Zeitzeugen inspirieren. Es gäbe unzählige Geschichten über Begegnungen solcher Art, sagt Schäfer. Meist blieben die Erzählungen jedoch unvollendet. In Maries Lächeln nimmt Schäfer sich die Freiheit, eine solche Geschichte zu Ende zu bringen – wenn auch mit 60 Jahren Verzögerung.

Der Regisseur und die Schauspieler beweisen großes Einfühlungsvermögen. Angesichts des schwierigen Themas überraschen die Leichtigkeit, die der Film hat, und seine große Poesie.

Zum Film:
Länge: 9 Minuten 52 Sekunden. Mit Eva Manschott, Uwe Roede, Michel Haebler, Regine Lutz, Horst Kaptur, Manon Scharstein. Buch und Regie: Michael Schäfer. Kamera: Jürgen Jürges, BVK. Schnitt: Eva Höppner. Musik: Pierre Oser. Produktion: Pit Rietmüller, Kirsten Brandt, Michael Schäfer.