The Green Wave abschloss, konnte er nicht ahnen, wie viel Aktualität sein Film zum Kinostart wieder gewinnen würde. Der Film erzählt von der Euphorie, die in Iran während der Massendemonstrationen von Oppositionsanhängern rund um die Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni 2009 herrschte – und von dem deprimierenden wie blutigen Scheitern der Proteste.

Als der in Deutschland lebende Filmemacher Ali Samadi Ahadi im Frühjahr 2010 die Arbeit an

Diese Revolution – die sich mit ihrer Farbe Grün auf die Farbe des Islam und eine der iranischen Landesfarben bezieht – ist in den vergangenen Tagen wiederaufgelebt. Nach den Umbrüchen in Tunesien und Ägypten hallten die Slogans von 2009 plötzlich wieder durch die Straßen Teherans. Die Brisanz der Lage lässt sich daran ablesen, dass Vertreter des iranischen Regimes in diesen Tagen zur Ermordung Hussein Mussawis aufriefen. Er personifizierte 2009 als Gegenkandidat zu Präsident Mahmud Ahmadineschad die Hoffnung auf einen Neuanfang und rief jetzt zu den neuerlichen Demonstrationen auf.

Der Regisseur Ahadi schildert die grüne Protestwelle des Sommers 2009 mithilfe von Videos, die die Beteiligten selbst gedreht haben. Es ist also nicht das übliche dokumentarische Material eines distanzierten Regisseurs oder gar Journalisten, sondern wir sehen wacklige und grobkörnige Bilder, die mitten aus dem Geschehen kommen und hauptsächlich via YouTube verbreitet wurden.

Zusätzlich führte Ahadi eigene Interviews mit Zeitzeugen – etwa mit der 28-jährigen Journalistin Mitra Khalatbari, die während des Protests ins Visier der Sicherheitsbehörden geriet und mittlerweile nach Deutschland geflohen ist. Und mit der im britischen Exil lebenden Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi.

Neben dem Videomaterial und den Gesprächen baute Ahadi auch Blogeinträge und Tweets in seinen Film ein. Sie funktionieren einerseits dokumentarisch wie Ausschnitte aus Akten oder Zeitungsartikeln in einem traditionellen Dokumentarfilm. Darüber hinaus gelingt es ihnen aber, das Erleben der Bürger sehr unmittelbar einzufangen.

Blogeinträge dienten auch als Ausgangsmaterial für den fiktionalen Teil des Films, eine Erzählung über zwei Studenten. Ahadi bebildert diese Passagen im Stil eines Motion-Comics: Er ließ Fotos von Schauspielern anfertigen, die von Künstlern nachgezeichnet wurden. Die rund 4000 Bilder, die so entstanden, hat der Regisseur von einem 20-köpfigen Animationsteam in bewegte Sequenzen umsetzen lassen.

Es sind diese kunstvollen Szenen, die eine ungeheure Kraft entwickeln und uns viel stärker einfangen als die manchmal wenig professionell wirkenden Reenactments mancher TV-Dokumentation. Diese herkömmliche Form der Rekonstruktion – Schauspieler stellen Szenen nach, die sich so oder so ähnlich abgespielt haben könnten – kam für Ali Samadi Ahadi nicht infrage, wie er sagt. Milizionäre, die von Motorrädern aus Demonstranten massakrieren; Leichen auf Lastwagen; Folter im Gefängnis – solche Motive ließen sich nur mit gezeichneten, verfremdeten Bildern umsetzen, die die Brutalität oft nur andeuten. Spielfilmszenen hätten hier geschmacklos und effekthascherisch gewirkt.