Maria steckt in einer Identitätskrise. Aber nicht im herkömmlichen Sinn. Sie weiß, wer sie ist: eine Schwimmerin auf Südamerikareise. Sie weiß jedoch nicht mehr, wer sie war: offensichtlich nicht die Tochter des deutschen Geschäftsmannes Anton Falkenmeyer, wie sie bisher glaubte.

Maria merkt es am Flughafen in Buenos Aires. Eine argentinische Mutter singt ihrem Baby ein spanisches Kinderlied vor – Maria kann es mitsingen, obwohl sie kein Spanisch spricht. Der Gesang überwältigt sie so sehr, dass sie in der Flughafentoilette schluchzend zusammenbricht und den Weiterflug nach Santiago de Chile verpasst. Von diesem Moment an übernimmt die argentinische Hauptstadt die Regie in Marias Leben.

Buenos Aires, die stolze Stadt zwischen Grandezza und Verfall, ist der heimliche Hauptdarsteller in Florian Cossens mehrfach ausgezeichnetem Drama Das Lied in mir . Buenos Aires hält Maria fest. Die Stadt leuchtet immer bronzefarben, egal welche Tageszeit gerade herrscht. Woher kannte Maria diese Melodie? Buenos Aires weiß es.

Auch ihr Vater weiß es, Anton Falkenmeyer, der seiner Tochter eilends nach Argentinien nachreist, als er erfährt, dass sie zunächst in Buenos Aires bleiben möchte.
Jessica Schwarz als Maria und Michael Gwisdek als Anton Falkenmeyer spielen ein steifes Vater-Tochter-Paar, das sich kaum noch etwas zu sagen hat, vor allem dann nicht mehr, als Falkenmeyer seiner Tochter gesteht, dass er nicht ihr Vater ist. In getrennten Hotelzimmern grübeln sie vor sich hin, er bügelt Hemden, sie sieht ihrer Identität beim Zerfallen zu.

Marias eigentliche Eltern sind Desaparecidos, Verschwundene. 1980, während der Militärdiktatur, wurden sie verschleppt. Der damals in Buenos Aires arbeitende Falkenmeyer und seine Frau nahmen sich Marias an. Deren Verwandte suchten das Kind daraufhin verzweifelt. "Wir wollten dich behalten", sagt Falkenmeyer hilflos zu seiner Tochter, die ihn jetzt Anton nennt.

Der Film ist nicht politisch. Über die Umstände der Entführung erfahren wir nichts, nichts über den Staatsterror der Militärregierung unter Jorge Videla, dem Tausende Argentinier zum Opfer fielen.

Maria steht den Tatsachen ziemlich ohnmächtig gegenüber, bis Buenos Aires ihr zur Hilfe kommt. Zum einen in Gestalt des städtischen Telefonbuchs, in dem Maria ihren Onkel ausfindig macht. Zum anderen in Gestalt des Polizisten Alejandro (Rafael Ferro). Er spricht deutsch, sagt wenig, nuschelt dafür umso mehr etwas pathetische und etwas traurige Sätze – stolz und elend, wie Buenos Aires. Immerhin kann er für Maria übersetzen.