Uranberg ist ein Genre-Eintopf bestehend aus: Historiendrama, Liebesschnulze, Katastrophenmovie und Mehrgenerationenporträt. Leider sind die einzelnen Zutaten nicht immer herauszuschmecken und man fragt sich, wie bei Eintöpfen üblich: Wann kommt das richtige Essen? Wann wird eine der vielen Geschichten aus dem grauen Erzgebirgsdorf unter sowjetischer Besatzung einmal auserzählt?

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Die Ansätze gehen jedenfalls so: 1947 brauchen die Russen Uran in rauen Mengen, um ihr Atomwaffenprogramm (Historiendrama) zu betreiben. Im Erzgebirge teufen sie Schacht um Schacht ab, fördern das radioaktive Uranpecherz. Vor den Folgen warnt (Katastrophenmovie) Obersteiger Meinl, die Russen hören aber nicht auf den "Nazi". Sein Sohn Kurt kehrt aus einem Antifa-Erziehungslager als Sozialist zurück (Mehrgenerationenporträt) und arbeitet zunächst auch im Bergwerk. Der Statthalter Moskaus im Bergbau, Genosse Generaloberst Burski, möchte Kurt zur Bergbauakademie schicken, wenn er sich bewährt. Unter Tage trifft Kurt die Tochter Burskis, Lydia. Ein tiefer Blick in blaue Augen während einer Zigarettenpause genügt (Liebesschnulze) und sie verlieben sich ineinander. Das kann beiden Vätern nicht recht sein. Ziemlich viel Stoff für 90 Minuten Spielzeit.

Der Regisseur Dror Zahavi – bekannt durch die Fernsehfilme Die Luftbrücke und Mein Leben – setzt den Genre-Eintopf trotzdem auf. Deshalb ist der Film immer dann gut, wenn die Handlung einmal stillstehen darf, denn sie rauscht meistens in allen Geschichten, die dieser Film schreiben will, so schnell vorbei, dass für die Psychologisierung der Figuren wenig Zeit bleibt.

Still steht sie zum Beispiel dann, wenn die Kamera das Grau des Dorfes beobachtet. Grau wie der Staub im Berg sind die Häuser, die Straßen staubig wie die Gesichter der Bergleute, die kaum jemals so weiß werden wie die Wolken am Himmel über der SBZ. So wird es 40 Jahre lang bleiben, was die Bewohner freilich nicht wissen können.

Ein weiteres beklemmendes Standbild liefert Oberst Burski. Im Stehkragen des Uniformrocks gänzlich versunken blickt Henry Hübchen ins Leere seiner Statthalter-Villa. Die Frau von Deutschen ermordet, die Tochter in den Armen eines blonden deutschen Bergmanns – der Oberst hätte mehr Tiefenschärfe verdient, stattdessen muss er komische Sätze sagen: "Ich fahre nach Moskau, soll ich dir was mitbringen?" Oder: "Mein Name ist Burski und ich bin nicht der liebe Gott."

Uranberg wurde als Fernsehfilm konzipiert, der nächsten Winter im Ersten läuft, und jetzt nur zusätzlich ins Kino kommt. Vermutlich muss deswegen alles ganz schnell gehen. Eben noch haben Lydia und Kurt gemeinsam Arbeiterlieder gesungen, zehn Minuten später sprechen sie von ewiger Liebe. Geschwind spitzt sich der Plot zu: Der alte Obersteiger Meinl hat recht behalten, ein unterirdischer See bricht in das Bergwerk durch. Die meisten Kumpel werden erschlagen, viele ertrinken, wenige kommen nach oben und wichtige Protagonisten bleiben verschüttet, aber lebend zurück: Lydia und der Vater ihres Geliebten, der Obersteiger selbst. Oben hat der andere Vater, Generaloberst Burski, es in der Hand, seine Tochter zu retten: Er kann die Sprengung eines für den Uranabbau wichtigen Schachtteils anordnen, damit das Wasser abläuft. Er tut es nicht. Was würde Moskau sagen? Und dann für diese fraternisierende Tochter? Der Generaloberst trinkt Wodka und wartet auf des Schicksals rettenden Arm, denn er ist ja nicht Gott.