Auch bei einem Show-Klassiker muss die Quote stimmen. Doch Wetten, dass..? versinkt schon seit dem vergangenen Jahr in einem Allzeittief von 25 Prozent. Weniger als acht Millionen Menschen schauen zu. Dabei war die Sendung noch 2005 der Quotenkönig des Samstagabends mit mehr als 14 Millionen Zuschauern. Das entsprach einem Marktanteil von mehr als 44 Prozent. Sogar unter den Jüngeren lag sie mit 41 Prozent um das Sechsfache höher als der übliche ZDF-Durchschnitt.

Garant des Erfolgs war Thomas Gottschalk. Er schaffte es wie kein anderer noch Jahre nach der Ära der großen Familienshowmaster, Jung und Alt vor dem Bildschirm zu vereinen. Er moderierte mit Sprachwitz, wie er in amerikanischen Shows üblich ist und der gegenüber manch weiblichem Gast bisweilen auch allzu plump und anzüglich geriet. Er moderierte knapp, zappte von einem prominenten Gast zum nächsten und hielt das Karussell der Aufmerksamkeit in Fahrt durch spektakuläre, anrührende und gelegentlich alberne Wetten. Die Zuschauer und das ZDF liebten Gottschalk.

Doch seit Monaten werfen ihm Kritiker vor, fahrig zu werden. Gottschalk könne die Sendung nicht mehr strukturieren. Manche nannten seine Partnerin Michelle Hunziker die Pflegerin, die ihn durch die Sendung führen müsse. Bislang war Gottschalk damit locker umgegangen, und auch am Samstagabend sagte er zu Hunziker höchst selbstironisch, als er eine Textzeile nicht sofort vorlesen konnte und sie ihm helfen wollte: Das schaffe er schon noch selbst. Ein Profi der Show eben. Das hat er etwa noch 2008 auf dem Deutschen Fernsehpreis bewiesen, als er Marcel Reich-Ranickis spontanen Wutausbruch abfederte und wegmoderierte, wofür er sogar einen Preis bekam. Und natürlich als er im vergangenen Dezember seine eigene Sendung abbrach , nachdem der Wettkandidat Samuel Koch schwer verunglückt war.

Gottschalk weiß also ganz genau, wann ein richtiger Zeitpunkt gekommen ist. Er wird sich schon länger überlegt haben, wie er aus dieser Sendung aussteigen kann, ohne dass dem der Ruch von Misserfolg und Resignation anhaftet. Die erste Show nach dem Unfall bot sich ihm wie eine letzte Chance an. Er nutzte sie und verkündete: nach der Sommersendung aus Mallorca ist Schluss . Er sagte das mit angemessen ernster Miene, ausführlich, aber unumwunden und verband es mit einem Kalauer über Mubarak, über den keiner lachen wollte. Dann ging er zum nächsten Programmpunkt über.

Die verhaltene Reaktion der Zuschauer zeigte, dass etwas nicht passte: Denn Gottschalk hat seinen Rückzug aufs Engste verknüpft mit Samuel Kochs Unfall. Danach könne er nicht mehr weitermachen wie bisher. Es liege ein Schatten über der Sendung, sagte er und fügte etwas flapsig an, jetzt sei Schluss mit lustig. Natürlich wird er dem jungen Mann von Herzen alles Gute wünschen. Aber das tut wohl jeder, der den Unfall mitangesehen hat. Und Gottschalk nutzt dieses empathische Gefühl, um seinen Rückzug wie verantwortungsvolles Handeln aussehen zu lassen. Er inszeniert die ganz große Emotion für einen persönlich notwendigen Schritt. Das kann man ihm vorwerfen. Oder dem Fernsehen, dass es die Darstellung ganz großer Gefühlsmomente immer öfter auf die Spitze treibt. Es ist erst eine Woche her, als – ebenfalls im ZDFMonica Lierhaus ihren Auftritt hatte .

Wie wenig es mit persönlicher Verantwortung zu tun hat, die Gottschalk für den Unfall übernehmen wolle, belegte unfreiwillig auch Michelle Hunziker (die übrigens weitermachen wird). Sie versprach, Gottschalk doch noch zum Weitermachen überreden zu wollen. Ob sie ihr Versprechen hält, wird wohl auch von der Quote abhängen, auf die es die kommenden Sendungen bringen werden.