Als Billy Crystal nach rund zwei Stunden Oscar-Show auf die Bühne kam, ging offensichtlich nicht nur Millionen TV-Zuschauern ein Gedanke durch den Kopf: Lasst ihn bitte nicht wieder gehen! Auch das Promi-Publikum im Kodak Theatre in Los Angeles überschüttete den Schauspieler und achtmaligen Oscar-Präsentator mit nicht enden wollendem Applaus.

Zu qualvoll war die Darbietung seiner Nachfolger, der Schauspieler Anne Hathaway ( Der Teufel trägt Prada ) und James Franco ( 127 Stunden ), die der altgedienten Preisverleihung an diesem Abend nach Vorstellung der Veranstalter ein jüngeres, hipperes Publikum bescheren sollten.

Hathaway hatte immerhin in der US-Comedyshow Saturday Night Live bereits echtes komödiantisches Talent bewiesen, doch gestern Abend gab sie über drei Stunden lang den kreischenden Fan, der jeden Star mit hechelnder Anbetung begrüßte. Es wäre nicht verwunderlich, hätte sie sich hinter der Bühne von jedem ein Autogramm erbettelt.

Insofern war James Franco das perfekte Gegenstück. Obwohl für die Darstellung eines Wanderers, dessen Arm unter einem Felsbrocken eingeklemmt wird, selbst für die beste Hauptrolle nominiert, hätte ihn besagter Fels an diesem Abend an Ausstrahlung locker in den Schatten gestellt. Seine Unerschütterlichkeit ließ schon beinahe vermuten, er hätte seine Nerven vor der Liveshow etwas zu heftig beruhigt. Spätestens als er im Laufe der Veranstaltung immer undeutlicher sprach, hätte man ihm am liebsten ein paar Einzelstunden mit Geoffrey Rush gegönnt – der spielte in The King’s Speech des Königs Sprechtrainer.

Rush ging bei der Wahl des besten Nebendarstellers leer aus, dafür gewann The King’s Speech , die Geschichte des britischen Königs Georg VI., der erst in späten Jahren sein Stottern überwand, vier der zwölf Preise, für die der Film nominiert war: Colin Firth wurde zum besten Hauptdarsteller gewählt und machte mit seiner höchst eleganten Dankesrede ("Wenn Sie mich jetzt entschuldigen möchten, ich verspüre ein paar Impulse, um die ich mich hinter der Bühne kümmern muss") Lust auf mehr britische Preisträger.

Tom Hooper wurde für den Film als bester Regisseur geehrt und schlug damit den favorisierten David Fincher ( The Social Network ) aus dem Rennen. Neben dem besten Originaldrehbuch gewann The King’s Speech schlussendlich auch noch, ebenfalls ein wenig überraschend, den Oscar für den besten Film.

Der Traumthriller Inception holte ebenfalls vier Oscars, allerdings hauptsächlich in technischen Kategorien wie beste visuelle Effekte oder bester Ton.

The Social Network , mit acht Nominierungen einer der großen Favoriten, kassierte drei Auszeichnungen. Aaron Sorkin gewann wie erwartet den Oscar für die beste Drehbuchadaption und bewies einmal mehr, dass kein anderer Autor mehr Dialog in einer vorgegebenen Zeit unterbringt als er. Während im Hintergrund schon heftig die Ihre-Zeit-ist-um-Musik spielte, wandte er sich noch schnell an seine Tochter Roxy: "Ich bin jetzt Oscar-Preisträger! Ich hoffe, ich darf mir ab sofort ein wenig mehr Respekt erwarten, vor allem von einem gewissen Meerschweinchen."