Behmen ist ein Tempelritter mit schlechtem Gewissen. Im Zuge des Kreuzzugs hat er aus Versehen auch Frauen und Kinder erwischt. Auf Kreuzzügen ließe sich das nun mal nicht verhindern, beschwichtigt sein Chef. Doch Behmen (Nicolas Cage) bereut es und quittiert den Dienst. Nun zieht er mit seinem Freund Felson (Ron Perlman) aufgabenlos durchs Heilige Land.

Perlman spielte schon den wortkargen Mönch Salvatore in Der Name der Rose und hat insofern Mittelaltererfahrung. Die beiden finden ein verlassenes Haus mit einem Haufen Leichen darin – meint man. Bis ein halbtotes Mädchen plötzlich und durchaus vorhersehbar die Augen aufschlägt. Da zuckt der erste Horrorschrei durchs Kino. Behmen brennt das Haus nieder und weiß jetzt: In dieser Welt ist etwas nicht mehr in Ordnung.


Zu diesem Zeitpunkt hätte der Film vielleicht noch eine Komödie werden können. Kreuzzug-Klamauk mit grotesken Abenteuern zum Beispiel. Leider entwickelt sich doch eine Handlung mit folgenden Inhaltsstoffen: Pest, Tod, Teufel, Kardinal, Lepra, Hexen, Exorzismus, Letztes Gefecht, Heldentod, Werwolf, Mönche, Monster, Hölle. Diese Ansammlung von Topoi, Motiven und Kram bevölkert das Kreuzzug-Horror-Trash-Soutane-Hexen-Movie und macht es zu einem großen Batzen Natriumglutamat. Überall bloß Geschmacksverstärkung und wenig Substanz. Es fehlen nur noch Außerirdische.

Der beteiligte Kardinal D’Ambroise sieht schon fast danach aus. Er hat, was man im Mittelalter so hat, die Pest. Es könnte, denkt man als medizinischer Laie, auch Lepra sein, wenn man sich den Kerl (Christopher Lee) anschaut. Die wurde aber schon im vorvorletzten Kreuzritterfilm Königreich der Himmel wirkungsvoll verbraten, als der lepröse Jerusalemer König Baldiun IV. "Ich bin Jerusalem"-röchelnd auf den Feind Saladin zuschunkelte.

Also diesmal die Pest. Der Kardinal ist sich sicher: Die Stadt leidet unter der Seuche, weil hier eine Hexe ihr Unwesen treibt. Praktischerweise hat er sie schon mal festgesetzt.

Behmen und Felson nehmen schweren Herzens den Auftrag des Kardinals an, die Dame in ein abgelegenes Kloster zu Elitemönchen zu führen, die ihr im schlimmsten Fall das Hexentum austreiben können.

Ich eskortiere eine Hexe und nehme mit? Den Räuber Hagamar, er weiß den Weg. Den Ritter Eckhardt, einer mehr kann nicht schaden. Den Jungen Kay, er will mal Ritter werden. Den Priester Debelzaq – aus naheliegenden Gründen. So reitet die Gruppe – übrigens ohne auch nur einmal zu essen oder zu schlafen – durch eine Landschaft, wie man sich eine Landschaft nach der Apokalypse vorstellt.

Im Original heißt der Film The Season of the witch ; einen Horrorfilm gleichen Titels drehte George A. Romero schon 1971. Leider wird der neue Namensvetter nicht zur Satire. Er hätte das Zeug dazu gehabt.

Ob der Regisseur (Dominic Sena) sein Werk gehasst hat? Wäre bei einem derartigen Drehbuch (Bragi F. Schut) zu verstehen. "Ich wollte eine Parodie sein, musste aber ernst bleiben" – wenn dieser Film sprechen könnte, das wären seine Worte.

Warum sich Christopher Lee, Ron Perlman und Nicolas Cage für diese Hölle hergegeben haben, bleibt unverständlich. Der Letzte Tempelritter ist ein Horrorfilm, der nicht gruselig ist, ein Actionfilm, dessen Effekte nach frühem Computerspiel aussehen, und nicht zuletzt ein Geschichtsfilm, der so konsequent auf Geschichte verzichtet, dass man ihm nicht mal die Klitterung derselben vorwerfen kann.