Spätestens, seit Filme wie Beautiful Thing oder Get Real in den neunziger Jahren die großen Kinos eroberten, hat sich der Coming-out-Film als eigenes Genre etabliert. In seinem tragikomischen Debütfilm Sascha erweitert Dennis Todorović diesen Handlungskern nun um eine Migrations- und Emanzipationsgeschichte im Kölner Stadtteil Eigelstein.

Hier lebt Familie Petrović, seit sie vor zwanzig Jahren dem Krieg in Jugoslawien entflohen ist. Papa Vlado, einst begabter Basketballer, ist heute Betreiber einer Kiezkneipe, aber das Heimweh zieht ihn noch immer nach Montenegro. Mutter Stanka wollte früher Konzertpianistin werden. Heute friemelt sie in Heimarbeit Stecker zusammen, um wenigstens ihren beiden Söhnen eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen.

Während sich Boki, ihr Jüngster, dem Rudern verschrieben hat, übt Sascha Beethoven für die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule. Doch eigentlich interessiert er sich vor allem für seinen schwulen Klavierlehrer, in den er sich unglücklich verliebt hat. Irgendwann lässt sich dieses Geheimnis vor niemandem mehr verbergen, die Ereignisse überschlagen sich und das Gefühlschaos nimmt seinen Lauf.

Versteht man als Coming-out den Prozess der Erarbeitung, Einübung und Durchsetzung von schwuler Identität, interessiert Todorović in seinem Film vor allem die nach außen gerichtete Durchsetzung. Kein leichtes Unterfangen, denn im Lebensbild von Papa Vlado ist die Homophobie fest verankert. Von Homosexuellen wolle er nichts hören, herrscht der alkoholisierte Vater seinen Sohn Boki am Frühstückstisch an. Soll Onkel Pero, der gerade zu Besuch ist, etwa glauben, dass er schwul sei? Höhnisches Gelächter.

"Meine Figuren haben viel mit meiner Familie zu tun", sagt Todorović. Der 33-Jährige ist tschechisch-montenegrinischer Herkunft und in Baden-Württemberg geboren und aufgewachsen. Er erzählt in seinem Debüt "mit Charakteren, die mir vertraut sind und einem Umfeld, das ich kenne", sagt der Regisseur. Das spürt man.