Lindenstraße , ist noch immer empört.

Sachen gibt’s: Da stellt ein Profi mit über 40 Jahren Dreherfahrung für sein neues Projekt einen – ach, viele! – Anträge auf öffentliche Förderung und bekommt nur Absagen. Hans W. Geißendörfer, Regisseur, Filmproduzent und Schöpfer von Deutschlands TV-Langzeitserie

"Wir wollen einfach keine Junkies", so die Reaktion der Fördergremien auf sein Drehbuch für In der Welt habt Ihr Angst . Und ja: Ob die Kinozuschauer 30 Jahre nach dem Erfolgsfilm Christiane F. zwei Süchtigen beim Entzug zusehen möchten, darf bezweifelt werden.

Egal. Geißendörfer stemmte seinen neuen Film im Alleingang und wirbt so für ihn: Die Geschichte von Eva (Anna Maria Mühe) und ihrem Geliebten Jo (Max von Thun) sei doch eigentlich eine Hymne – auf die eine, die ganz große Liebe. Die muss in den (arg langen 110 Filmminuten) wahrlich viel überstehen.

Da ist die Sucht nach dem nächsten Schuss, der vage Traum vom Neuanfang in Neuseeland, die gestörte Beziehung zu Evas Pastoren-Vater (Hanns Zischler), die plötzliche Läuterung der nun schwangeren Eva, die sich und Jo (Max von Thun, in ungewohnter Rolle und mit 14 Kilo weniger auf den Rippen kaum zu erkennen) kurz entschlossen auf kalten Entzug setzt.

Veteran Geißendörfer beherrscht sein filmisches Handwerk. Solide entwickelt er den ersten Showdown: Nach einem Raubzug des Pärchens im seltsam gestrig wirkenden Bamberg (Kruzifixe allerorten, bröckelnder Putz, gelbe (?) Telefonzellen) gibt es einen Toten, Jo ist im Knast und die verzweifelte Eva auf der Flucht.

Was nun folgt, ist pures Schauspielerkino. Mehr will In der Welt habt Ihr Angst auch nicht sein. Die schäbige Seite der Sucht? Zeigt ein Klassiker wie Trainspotting besser. Die katholische Provinz und seelische Not streng erzogener Töchter? Hat Hans-Christian Schmid in Requiem weit subtiler inszeniert. Immerhin ist der Film bis in die Nebenrollen gut besetzt, etwa mit Johannes Allmayer ( Vincent will Meer ) als Evas ehrpusseligem Ex-Liebhaber.

Und natürlich mit einer sehenswerten Hauptfigur. Strähnige Haare, verschwitzt, abgemagert: Physisch präsent wie selten wirft sich die 25-jährige Anna Maria Mühe in ihre Rolle. Und noch eine gute Besetzungsidee hatte der Produzent, Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion: Auftritt Axel Prahl, der als verdruckster Lehrer ganz gegen sein filmisches Tatort - und Proletarier-Image besetzt wurde.