Die Nirvana-Shirts bei H&M schreien es förmlich: die Neunziger sind zurück. Die amerikanische Serie Portlandia spielt im Epizentrum des Revivals, in Portland, Oregon . Die Stadt im Nordwesten der USA gilt als das neue Seattle: Bevölkert von Musikern, Weltverbesserern und sonstigen Freaks läuft sie gerade New York und San Francisco den Rang als Hipster-Hochburg ab. Genau diese Szene nehmen der Komiker Fred Armisen und die Indie-Rockerin Carrie Brownstein in Portlandia auf die Schippe. In kurzen Comedy-Episoden verkörpern die beiden immer wieder neue Figuren, die für die Stadt typisch sind. "Der Traum der Neunziger lebt in Portland", singen sie im Trailer.

Wer nun das pralle Leben im Stil eines Rock'n'Roll-Filmchens erwartet, könnte nicht weiter daneben liegen. Running Gag der Serie ist vor allem die Verplantheit und Langsamkeit der Portlander. Wo immer man hingeht, ob in Buchläden, Restaurants oder Cafés – nichts passiert, ohne dass vorher ausgiebig darüber diskutiert wird. Woher kommt das Huhn eigentlich, das auf den Teller soll? Freilaufend ist ja gut, aber hatte es auch genügend Freunde? Will ein Ortsfremder ein Buch im alternativen Buchladen erstehen, empfinden die Verkäufer das gelinde gesagt als eine Frechheit. Ein Buch? Kaufen? Einfach so? Gedanken sind doch keine Ware! Und Verkäufer keine anonymen Maschinen! – Neinneinnein. Man muss sich erst mal kennenlernen. Einfach so verkauft wird hier gar nichts.

Armisens und Brownsteins Version von Portland ist vor allem eine postkapitalistische Utopie. Sachzwänge scheint es nicht zu geben oder man entgeht ihnen so weit wie irgendwie möglich. In der Freizeit pflegt man merkwürdige Hobbies wie das in einer regionalen Liga organisierte Versteckspielen. Eine weitere Option ist Dumpster-Diving – die Suche nach Gratis-Lebensmitteln in Mülltonnen.

Die beiden Macher der Serie zeichnen ihr Bild der Stadt in zynischen und absurden Tönen, aber nie ohne Sympathie. Schließlich lebt Brownstein, ehemals Frontfrau und Gitarristin der Indie-Band Sleater Kinney, selbst in Portland.

Aber wie viel hat das, was man in der Serie sieht, eigentlich mit der Wirklichkeit zu tun? In einem Forum der Portlander Zeitung The Oregonian meinte ein alteingesessener Portlander, die Serie sei sehr akkurat, vor allem in der Art wie sie sich über zugezogene Hipster lustig mache. Für die Portlander sei das Szenevolk so absurd wie die Figuren aus Portlandia.

Beth Ditto , Sängerin der Portlander Band The Gossip, beschrieb die Stadt schon 2007 in ähnlichen Tönen. Als Grund für das allgemeine Hängertum macht sie vor allem die niedrigen Mieten aus. Ein Haus mit drei Schlafzimmern sei dort schon für 800 Dollar im Monat zu haben. Das ziehe etwa Punks aus den ganzen USA an.