Superman bis Terminator sind schon einige Kinohelden vom Himmel gefallen, aber der erste Leinwandauftritt des Donnergottes Thor (Chris Hemsworth) ist eine wahrhaft spektakuläre Angelegenheit. Die unsanfte Erdung des Göttlichen ist das Ergebnis eines handfesten Familienstreits. Papa Odin hat den törichten Sohn aus Asgard ans andere Ende des Universums verbannt, nachdem der Hitzkopf fast einen Krieg mit den Eiskristallkriegern aus Jotunheim entfacht hätte.

Dunkle Wolken ziehen über den Nachthimmel New Mexicos. Grüne Wetterleuchten flimmern, Donner rollt heran, gefolgt von einem Kometenschweif, der auf die Erde zurast. Von

Während sich Hollywood in Werken wie Troja oder zuletzt Percy Jackson freimütig in der griechischen Sagenwelt bedient hat, gehörte die nordische Mythologie bisher kaum zum Zitatfundus des amerikanischen Mainstreamkinos. Die Brücke baut nun der Comic-Gigant Marvel , der den Donnergott schon seit 1962 mit mehr als sechshundert Folgen erfolgreich vermarktet hat.

Kein geringerer als Kenneth Branagh hat die Regie für die 150 Millionen Dollar teure Adaption übernommen. Was einen Mann wie Branagh, der sich bisher vor allem mit seinen Shakespeare-Verfilmungen ( Henry V ., Hamlet ) als Filmemacher profiliert hat, an diesem Stoff interessiert, ist schon nach wenigen Filmminuten klar: Die hochdramatischen Konflikte am Hofe von Asgard stehen der Streitkultur in englischen oder dänischen Königshäusern um nichts nach. Wenn Anthony Hopkins als Odin den geliebten Sohn verstößt, hält das ganze Universum den Atem an, während der ewig eifersüchtige Bruder Loki (Tom Hiddleston) als Widergänger Jagos die tragische Intrige vorantreibt.

Doch das nordische Götterdrama funktionierte nicht, wenn der Film nicht den Weg zu unserem bescheidenen irdischen Dasein finden würde. Anders als die Helden im Marvel-Universum, die wie Peter Parker in Spider-Man durch einen Spinnenbiss oder die Mutanten in X-Men durch genetische Manipulation zufällig zu ihren übernatürlichen Fähigkeiten gekommen sind, verliert Thor mit der Landung im amerikanischen Wüstensand all seine göttliche Kraft. Plötzlich sieht er sich mit der Profanität der menschlichen Existenz konfrontiert. Nicht einmal seinen Hammer kann er aus dem Gestein lösen, in das sich die brachiale Wunderwaffe eingeschmolzen hat.

Das männliche Unvermögen wird mit anschwellenden Orchesterklängen als grausame Impotenzfantasie ins Scheinwerferlicht gerückt. Theatralische Momente wie diese inszeniert Branagh mit sichtbarem Genuss und würzt dabei die dramatische Wucht mit einer feinen Prise Ironie. Aber schon bald findet der degradierte Göttersohn, der aus der Ferne einen Machtkomplott des Bruders zu verhindern sucht, Trost bei der schönen Astrophysikerin Jane ( Natalie Portman ), deren Interesse an dem Außerirdischen weit über die wissenschaftliche Erforschung hinausgeht. Schließlich sieht der blonde Hüne nicht nur blendend aus – seit Brad Pitts Auftritt als Achilles in Troja hat man einen solch perfekt skulpturierten Oberkörper nicht mehr gesehen –, sondern ist ebenfalls mit der Kunst des Handkusses sehr vertraut.

Auch hier arbeitet Branagh keineswegs ironiefrei mit präzise dosierten Momenten romantischer Überhöhung. Thors Exkursion zu den Menschen lehrt den arroganten Götterspross nicht nur Demut, sondern erdet auch das dreidimensionale Actionspektakel, in dem den Produktionsdesignern und Pixelmeistern wirklich fantastische Welten gelungen sind: In einem Meer aus Gold und Glitter erstrahlt Odins Reich Asgard, während der Regierungssitz seines Widersachers Laufey in endzeitlicher Düsternis und Kälte erstarrt.