Der Name Lumet reichte, um Stars wie Al Pacino, Anna Magnani, Ingrid Bergman, Marlon Brando, Richard Burton und Katharine Hepburn an den Drehort eilen zu lassen. Sidney Lumet war einer der Großmeister des amerikanischen Kinos. Sein Debütfilm wurde gleich zu einem seiner bekanntesten: In Die zwölf Geschworenen inszenierte Lumet 1957 die Beratungen einer Jury zu einem packenden Kammerspiel. Auch sein Polizei-Thriller Serpico, die Agatha-Christie-Verfilmung Mord im Orient-Express, Hundstage und Network, eine bissige Satire auf das amerikanische Fernsehen, wurden zu Filmklassikern.

"Er schien immun zu sein gegen das Alter", schrieb die New York Times in ihrem Nachruf auf den Filmemacher, der noch 2007 für seinen Thriller Tödliche Entscheidung gefeiert worden war. Im Jahr davor hatte er als die Umstände eines großen Mafiaprozesses in dem Film Find Me Guilty beleuchtet. Woody Allen würdigte seinen Kollegen in einem Nachruf als den "Inbegriff des New Yorker Filmemachers". Der Musikproduzent Quincy Jones nannte Lumet einen "visionären Filmemacher, der unsere Popkultur mit kritischen Kommentaren zur Gesellschaft nachhaltig beeinflusst hat".

Lumets beste Filme befassen sich mit den Folgen von Vorurteilen, Korruption und Betrug. Besonders faszinierten ihn Verstöße gegen das Gesetz in den Reihen der Polizei. Sein auf wahren Begebenheiten basierender Film Serpico löste umwälzende Reformen im System der New Yorker Ordnungshüter aus.

Lumet wurde rund 40 Mal für einen Oscar nominiert, gewann die goldene Statuette aber nie. Als ihm Hollywood 2005 schließlich die höchste Ehre in Form eines Lebenswerk-Oscars zuteil werden ließ, gab er zu: "Verdammt, ich wollte ihn und ich finde, ich habe ihn auch verdient". Außerdem wurden ihm ein Goldener Bär, der Pasinetti-Preis in Venedig, mehrere Golden Globes und gut zwei Dutzend weiterer Auszeichnungen überreicht.

Dass ein Film zum Nachdenken anregen soll, daran hatte Lumet sein Leben lang festgehalten. "Er soll Zuschauer anregen, verschiedene Facetten des eigenen Gewissens genau zu betrachten, sich Gedanken zu machen und das Gehirn stimulieren."

Der in Philadelphia geborene Sohn eines polnischen Schauspielers war ein Mann der Bühne. Seit seinem vierten Lebensjahr stand er zusammen mit seinem Vater auf der Bühne des Yiddish Art Theaters in New York. Sein Broadway-Debüt feierte er 1935 mit gerade einmal elf Jahren in der Rolle eines Straßenjungen. Nach einem abgebrochenen Literaturstudium trat er in die Armee ein und wurde Funk- und Radarspezialist. 1950 schaffte Lumet mit der Fernsehserie Danger den Durchbruch als Regisseur.