Andreas Brey gehört zu den Menschen, die so lange im Kino sitzen bleiben, bis der gesamte Abspann gelaufen ist. "So orientiere ich mich, wer an dem Film beteiligt war und woher das Geld kam. Das ist wichtig für mein Netzwerk", erklärt der Banker. Er ist seit elf Jahren Filmexperte der DZ-Bank und muss immer wissen, was in der Szene läuft. Mal spricht er Produzenten an und bietet die Finanzdienstleistung an, mal suchen die Filmemacher seine Hilfe. Die DZ-Bank ist Marktführer in der Filmnische, sie vergibt Kredite an 120 bis 150 Fernseh- und Kinoproduktionen im Jahr. Sie hilft so, die Zeit zu überbrücken, bis das Geld der Filmförderungen oder die Erlöse fließen. Besonders freut Brey die Mitfinanzierung an dem oscargekrönten Film Das Leben der Anderen .

Sein Job findet jedoch jenseits der roten Teppiche statt. Filmfinanzierung ist Verwaltung, da müssen zahllose Formulare ausgefüllt, Fristen beachtet und Kalkulationen geprüft werden. "Der wesentliche Unterschied zu anderen Branchen ist, dass Filmproduktionen stark personenbezogen sind und nur geringe Risiken tragen können. Für uns spielen Inhalt und kulturelle Aspekte keine Rolle, für uns zählen wirtschaftliche Erwartungen", sagt Brey.

Etwas anders sollen dies die öffentlichen Förderinstitute sehen. Sie haben den Anspruch, dass ein geförderter Film einen Beitrag zur Entwicklung von Filmkultur und Filmwirtschaft leisten soll. Ein Film ist ein Zwitterwesen: Einerseits ist er Kulturgut, andererseits Ware.

Wichtige Auftraggeber für deutsche Filmschaffende sind die Fernsehsender. Ihre finanzielle Beteiligung ermöglicht in vielen Fällen erst die Produktion eines Films, da auf dieser Grundlage die Unterstützung durch Banken oder Förderinstitute berechnet wird. Die öffentlich-rechtlichen Sender bieten im Spätprogramm Nischen wie Das kleine Fernsehspiel und Debüt im Ersten für anspruchsvolle Filmemacher; im Hauptprogramm überwiegt die Unterhaltung.

Filmförderung findet sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene statt. Ein Gesetz dazu wurde zum ersten Mal 1968 formuliert. Darin wurde das Ziel festgelegt, den deutschen Film zu unterstützen und für seine Verbreitung im Ausland zu sorgen. Diese Aufgabe übernimmt die Filmförderungsanstalt (FFA) mit Sitz in Berlin. Als sogenannte Selbsthilfemaßnahme für die Film- und Videowirtschaft erhebt die FFA Abgaben von Filmtheaterbetreibern, Videoprogrammanbietern, Fernsehsendern und Programmvermarktern. Daraus ergibt sich ein jährlicher Etat von rund 76 Millionen Euro.

Mit diesem Geld fördert die FFA sowohl Filmproduktionen und Drehbücher als auch Verleihfirmen, Filmtheater und Videoproduktionen. Die Spanne des FFA-Fördergeldes reichte 2010 von 40.000 Euro für die Dokumentation Mama Coca der Storytellers GmbH bis zu einer Million Euro für die 3-D-Produktion Die drei Musketiere der Constantin Film.

Produzenten müssen auf mehrere Karten setzen. Sie brauchen die Unterstützung von Fernsehsendern, Förderanstalten und Banken. Außerdem müssen sie sich um Koproduktionen, Verleihstrukturen und Lizenzverkäufe kümmern. Oft verfügen sie nur über ein geringes Eigenkapital, auch wenn Förderanstalten dieses oft als Voraussetzung einfordern.

Um das Risiko für die Produktionsfirmen etwas abzufedern, wurde 2007 der Deutsche Filmförderfonds (DFFF) gegründet. Er stellt jährlich etwa 60 Millionen Euro für die Produktion von Kinofilmen zur Verfügung und erstattet 16 bis 20 Prozent der in Deutschland ausgegebenen Produktionskosten. Die höchste Fördersumme im Jahr 2010 erhielt auch hier die internationale Großproduktion Die drei Musketiere , nämlich 7,5 Millionen Euro.