Peter Schamoni war nicht nur ein Vorreiter des Neuen Deutschen Films, sondern auch einer der erfolgreichsten deutschen Filmschaffenden. Das Oberhausener Manifest, das er 1962 gemeinsam mit anderen Filmschaffenden verfasste und in dem er "Papas Kino" für tot erklärte, gilt als Geburtsstunde des Neuen Deutschen Films. Einem breiten Publikum wurde er 1968 mit seiner Komödie Zur Sache Schätzchen bekannt. Im Alter von 77 Jahren ist der Regisseur nun in München an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Das teilte eine Freundin der Familie mit.

Erst kurz vor Ostern habe er die Diagnose bekommen, sagte Schamonis ehemalige Lebensgefährtin Anja Jungclaus. "Das hat ihm zuerst den Boden unter den Füßen weggerissen, dann hat er schnell versucht, alles zu regeln, was zu regeln ist." Bis zur letzten Minute habe er noch an Projekten gearbeitet. "Er hatte das Gefühl, noch wahnsinnig viel tun zu müssen."

Gearbeitet hat Schamoni viel in seinem Leben. Erst vor zwei Jahren bekam er den Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises für sein Lebenswerk: Mehr als 30 Spiel- und Dokumentarfilme, viele davon sind preisgekrönt. "Sie haben ohne Zweifel ein beeindruckendes Stück Filmgeschichte geschrieben", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer bei seiner Laudatio.

Schamoni wurde 1934 in Berlin in eine Familie von Filmschaffenden hineingeboren. Sein Vater war Filmwissenschaftler, seine Mutter Cutterin und Drehbuchautorin. Auch seine drei Brüder Victor, Thomas und Ulrich landeten in der Filmbranche. Schamoni studierte Kunst-, Literatur- und Theatergeschichte, besuchte eine Schauspielschule in München und arbeitete als Regieassistent an verschiedenen Theatern.

Er gehörte zu denen, die in den 1960er Jahren den deutschen Films revolutionierten. "Es war überhaupt kein Platz in der damaligen Filmwirtschaft", sagte der Produzent und Regisseur einmal in einem Interview. Der deutsche Film habe nur vom Förster im Silberwald und den Lümmels von der ersten Bank gelebt. Darum wurde Schamoni 1962 Mitunterzeichner des "Oberhausener Manifests". Das Dokument steht für den Beginn des Neuen Deutschen Films, der Gesellschaftskritik in den Mittelpunkt stellte und sich gegen den reinen Unterhaltungsfilm abgrenzte.

Schamonis Spielfilmdebüt Schonzeit für Füchse, das sich mit dem Generationenkonflikt beschäftigt, erhielt bei der Berlinale 1966 den silbernen Bären. Sein Name war aber vor allem verbunden mit der Komödie Zur Sache Schätzchen. Die machte nicht nur ihn, sonder auch seine Hauptdarstellerin Uschi Glas berühmt und ihn in der ganzen Republik bekannt. "Es tut mir natürlich sehr leid. Er war nicht nur ein Arbeitspartner, sondern ein lieber Freund", sagte Glas.

Auch wenn er kommerziellen Filmen nicht abgeneigt war, machte er sich in erster Linie mit avantgardistischen Projekten einen Namen. Vor allem seine ambitionierten Künstlerbiografien fanden Beachtung. Initialzündung für die Kunst als Thema war die Begegnung mit Max Ernst. "Das hat mein Leben wesentlich bestimmt. Er war ein Jahrhundertkünstler, der nur in einem Atemzug mit Picasso zu nennen ist", wird Schamoni zitiert. Über den Mann, dessen Kunst ihn "umhaute", drehte er mehrere Filme, etwa die Hommage Max Ernst – Mein Vagabundieren, meine Unruhe“ zum 100. Geburtstag des Künstlers 1991. Sein international größter Erfolg wurde jedoch Hundertwassers Regentag (1972) – der Academy war dieser Film einen Oscarnominierung wert. 

Mit seinem letzten großen Projekt Botero – Geboren in Medellin (2008) kehrte Schamoni zu seinem Lieblingsmetier zurück. Der Film beschreibt die Bilder und Skulpturen des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero. Und auch für die Zukunft hatte der 77-Jährige noch viel vor. "Er hat zuletzt viele Reisen ins Tessin unternommen und war da seiner Familie auf der Spur", sagte Jungclaus. "Im Nachhinein denkt man dann natürlich, dass da schon etwas getickt hat in ihm."

Schamoni hinterlässt einen Sohn und eine Enkeltochter. Er soll voraussichtlich in der kommenden Woche in Seeshaupt am Starnberger See beigesetzt werden.