Ratko Mladic derzeit vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten muss – die Aufarbeitung des Krieges im Land ist längst nicht abgeschlossen.

Mehr als zehn Jahre nach dem Ende des Balkankonflikts ist die serbische Gesellschaft von der Normalität noch weit entfernt. Auch wenn sich der ehemalige Militärchef

Auch die serbisch-deutsche Koproduktion Belgrad Radio Taxi ist ein Film über die Vergangenheitsbewältigung. Er lässt sich aber nicht von Schwermütigkeit leiten, sondern ermutigt zu einem Blick in die Zukunft. Regisseur und Drehbuchautor Srdjan Koljevic hat schon mit seinem Debüt Klopka – die Falle den Wandel der serbischen Gesellschaft seziert. Klopka war über die Grenzen des Landes hinaus erfolgreich und 2007 für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert. An der University of Arts in Belgrad , wo er auch selbst studiert hat, unterrichtet Koljevic heute eine Generation junger Filmemacher und gestaltet so selbst Serbiens Wandel mit.

In Belgrad Radio Taxi findet Koljevic ein Bild für den zähen Übergang der serbischen Gesellschaft in ihre Zukunft: den Stau auf der Brücke zwischen Alt- und Neu-Belgrad. Dort begegnen sich die verschiedenen Protagonisten, deren Geschichten der Regisseur dramaturgisch geschickt verknüpft.

Biljana (Branka Katic) lebt in der Erinnerung an ihren Verlobten, der bei einer Blinddarmoperation starb, die er nur durchführen ließ, um dem Militärdienst zu entkommen. Der bosnische Kriegsflüchtling Gavrilo (Nebojsa Glogovac) lebt in ärmlichen Verhältnissen in Serbien, zu seinem Schutz bewahrt er eine Pistole im Handschuhfach seines Taxis auf. Die Lehrerin Anica (Anica Dobra) begegnet in ihrer Klasse dem Sohn des Autofahrers, der vor Jahren ihren Sohn überfahren hat. Sie quält sich mit ihrem Hass gegenüber diesem Jungen – ein Gefühl, das symptomatisch für die verdrängte oder nicht bewältigte Vergangenheit des gesamten Landes steht.

Alle Protagonisten verbindet neben dem Verlust geliebter Menschen auch ein Radiosender. Dort laufen den ganzen Tag Rock’n’Roll-Klassiker aus dem Jugoslawien der sechziger Jahre. "Die Songs erinnern an eine Zeit, in der man mit Unbeschwertheit in die Zukunft geblickt hat", sagt Koljevic. Wie die Musik platziert der Regisseur auch Situationskomik an den richtigen Stellen, ohne die ernsten Themen dadurch zu entkräften.

Der Stau wälzt sich bei Koljevic in die richtige Richtung. Am anderen Ende der Brücke setzt eine Generation junger kreativer Menschen auf eine eigene Zukunft – mit eigenem Soundtrack und vielleicht bald auch schon mit Filmen, die ganz neue Stoffe aufgreifen.