Dean trifft Cindy im Bus wieder. Er hatte sie schon einmal zufällig gesehen und sich gleich zu der jungen Frau mit dem zögernden Lächeln hingezogen gefühlt. Nun sprechen sie also das erste Mal länger miteinander, lachen und etwas zwischen ihnen beginnt. Es ist der Anfang ihrer Liebe und just in jenem Moment fängt die Kamera über dem wolkenverhangenen Himmel einen leuchtenden Regenbogen ein.

Was klingt wie ein sehr abgedroschenes Bild, war ein meteorologischer Zufall am Set von Blue Valentine , den der Regisseur geschickt nutzte: Das Bild mit dem Regenbogen, dem schwarzen Himmel und dem gelben Bus ist perfekt und fügt sich an der richtigen Stelle in den Film ein, weil es genau so passiert ist. In Blue Valentine passieren ziemlich viele Dinge genau zum richtigen Zeitpunkt. Selten wurde die Geschichte einer Liebe, ihr Wachsen und Zerbrechen glaubwürdiger geschildert.


Der Film ist erst die zweite längere fiktionale Erzählung des 37-jährigen Derek Cianfrance. Er wurde erfolgreich auf mehr als 30 Festivals gezeigt und erhielt etliche Auszeichnungen, darunter eine Oscar- und zwei Golden-Globe-Nominierungen für die beiden Hauptdarsteller. Cianfrance ließ Michelle Williams und Ryan Gosling kaum proben, meist drehte er nur eine Einstellung. Man spürt in diesem Vorgehen seine Arbeit als Dokumentarfilmer. Die Szenen, vor allem die Dialoge, wirken dadurch sehr natürlich. Häufig reden beide Figuren gleichzeitig, sie scheinen gar nicht aufeinander einzugehen, unterbrechen sich, wundern sich kaum, dass es schon wieder zum Streit kommt – ganz wie im wirklichen Alltag.

Der Film webt zwei Zeitebenen ineinander. In der ersten wird erzählt, wie die beiden zueinanderfinden. Das geht nicht ohne Schwierigkeiten ab. Cindy ist noch liiert, studiert Medizin und hat eigentlich den Kopf voll mit anderen Sorgen. Dean nimmt das Leben, wie es kommt. Er hat seine Ausbildung abgebrochen und arbeitet als Umzugshelfer. Als Cindy ihm erzählt, dass sie ein Kind erwartet, das nicht von ihm ist, beschließt er, für sie und dieses Kind da zu sein. Sie heiraten. Die Jahre vergehen. Dean ist dem inzwischen fünfjährigen Mädchen (ganz zauberhaft: Faith Wladyka) ein wunderbarer Vater voll aufrichtiger Zuneigung und auch für Cindy hegt er noch liebevolle Gefühle. Allein, Cindy ist am Ende erschöpft, müde – auch des Redens. Nur widerwillig stimmt sie einem romantischen Wochenende zu, das Dean für sie beide in einem Love-Hotel bucht. Während dieser zwei Tage in dem fensterlosen und in kaltes Blau getauchten Zimmer zerbricht die Ehe endgültig.

Cianfrance macht nicht sonderlich transparent, was in den fünf Jahren geschehen ist und wie es zur Erschöpfung Cindys gekommen ist. Sicher, Cindy hat ihren Traum, Ärztin zu werden, wegen des Kindes aufgegeben und muss nun als Krankenschwester einen Großteil des Familieneinkommens verdienen. Mit wachsendem Unmut betrachtet sie Deans fehlenden Ehrgeiz. Er arbeitet als Anstreicher und stört sich nicht daran, dass seine Tätigkeit weder lukrativ noch erfüllend ist, ihm aber erlaubt, schon morgens ein Bier zu trinken. Dennoch: Die Probleme scheinen sich im Rahmen zu halten und das Heim der drei wirkt nicht wie am Rande des Ruins. Auch liebt Dean Cindy noch auf seine etwas naive, sehr jungenhafte Art.