Cianfrance bietet allenfalls Hinweise darauf, warum Cindy am Ende zu keinem erneuten Aufraffen mehr fähig ist: Sie hat einen schwierigen Vater, ein zu gering entwickeltes Selbstwertgefühl, eine schlecht beendete Beziehung zum leiblichen Vater der Tochter, ein problematisches Verhältnis zum Chef. All diese Fäden spinnt Cianfrance nur ganz dünn. Meist bleibt es bei einzelnen Szenen. Das könnte man ihm vorwerfen.

Doch in diesem Manko liegt auch die Stärke der Erzählung. Zwischen den beiden Ebenen des Films bleibt genügend Weißraum, um nach einem Unterschied in den Umarmungen, den Blicken einst und jetzt, um die Gründe für das Scheitern dieser Liebe selbst zu suchen.

Das macht den Film so wahrhaftig. Wenn sich der Zuschauer selbst klar wird, warum die Ehe zerbricht, die in ihrem Entstehen große Probleme bewältigte, kann er sich der Zwangsläufigkeit kaum entziehen. Das macht Blue Valentine zu einem sehenswerten, aber auch sehr traurigen Film.