Bis in die achtziger Jahre hinein wurde in Polen vor dem Hauptfilm im Kino ein Dokumentarfilm gezeigt. Er gilt dort als gleichberechtigte Erzählform, die ebenso nach künstlerischem Ausdruck verlangt wie ein fiktionaler Film. Krzysztof Kieślowski, der später mit seiner großen Spielfilm-Trilogie Drei Farben: Blau, Weiß, Rot und dem Dekalog internationale Erfolge feierte, absolvierte – wie vor ihm bereits Roman Polanski – die Filmhochschule in Łódź und begann seine Karriere als Dokumentarfilmer.

Die äußeren Umstände – die Machthaber des kommunistischen Regimes beobachteten die Arbeit der Filmemacher ganz genau – zwangen die Dokumentarfilmer in Polen, eine ganz besondere, indirekte Erzählform zu wählen. Sie entwickelten eine Art Code, der auch von den Zuschauern verstanden wurde, um das Unsagbare zu vermitteln. Ihre Werke sind daher noch heute besonders sorgfältig durchkomponiert und künstlerisch, um auch auf dieser Ebene zu sprechen.

Vor diesem Hintergrund berichtet der zeitgenössische Filmemacher Bartek Konopka ZEIT ONLINE von den Unterschieden des polnischen Dokumentarfilms im Vergleich zum deutschen und davon, wie er sich selbst und seine Rolle als Dokumentarfilmer sieht.