ZEIT ONLINE: In Mein bester Feind spielen Sie einen Juden, der in eine SS-Uniform schlüpft. War das ein Gegengift zu Ihrer Rolle als Joseph Goebbels in Jud Süß?

Moritz Bleibtreu: Viele denken, dass man als Schauspieler mit der Auswahl seiner Rollen wahnsinnig taktiert. Das ist gar nicht so. Es ist ein riesengroßer Zufall, wenn einmal zwei Geschichten auf dem Tisch liegen, die sich ähneln. Diesen Film habe ich hauptsächlich gemacht, weil ich mit Wolfgang Murnberger arbeiten wollte, und weil der Film einen besonderen Umgang mit Humor hat. Heute verliert die Komödie im Kino immer mehr an Gesicht. Ich liebe Komödien, aber ich mag keinen Klamauk, sondern bin ein großer Fan der klassischen Comedies aus den 40er-Jahren. Die Komödien etwa von Billy Wilder zeichnete aus, dass sie immer auch auf wahnsinnig dramatischem Boden standen.

ZEIT ONLINE: Aus Deutschland heraus hätte Mein bester Feind heute wohl kaum stattgefunden. Sind die Österreicher mutiger?

Bleibtreu: Nein. Österreich hat sich dem Konflikt, was die NS-Zeit mit ihrem nationalen Bewusstsein gemacht hat, noch gar nicht richtig geöffnet. Was wir in Deutschland Vergangenheitsbewältigung nennen, davon ist Österreich weit entfernt. Die Österreicher haben es geschafft, die Verantwortung zu umschiffen und so zu tun, als wären sie damals überrannt worden. Deshalb hat man dort aber auch eine größere Freiheit im humoristischen Umgang mit dem Thema.