Conan war fast körperlich zu spüren, wie das amüsierwillige Publikum gespannt auf den einen, knackigen Spruch wartete. Auf einen Satz, den man sich mit ähnlich geeichten Gesprächspartnern noch sehr lange würde zuspielen können. So wie zu der Zeit, als noch Käsefondue angesagt war und die Brotstückchen im Topf verloren gingen, irgendwann unweigerlich der Satz fiel: "In den See, in den See", gefolgt von der Antwort, "mit einem Gewicht an den Füßen". Man wartete auf ein Zitat, das würdig wäre, ins kollektive Gedächtnis abzusacken wie das orgiastische Sandwichessen von Harry & Sally . Ein Satz, der sich in der Art von Terminator Arnold Schwarzeneggers "I’ll be back" oder à la "Wollt ihr ewig leben" der Kriegerin Valeria aus dem 1982iger Conan so lange weiterkolportieren ließe, bis dem Zuhörer die Ohren bluten. Ein lasches "leben, lieben, töten" von Neu-Conan Jason Momoa blieb die einzige Ausbeute. Es wurde erleichtert belacht.

Während des Filmstarts von

Remakes zehren von der Erinnerung. Das Conan 3D -Publikum dürfte sich zum Großteil aus nostalgie-seligen, reiferen Semestern zusammensetzen (zur Preview waren zahlreiche ausgewaschene T-Shirts von damals mit Horrorfilm- und Heavy Metal-Logos zu sehen), die ihrer Jugendfrische und vollem Haar nachhängen. Dreißig Jahre später sollte nicht nur alles unerquicklich Pubertäre, das einst um den Kinobesuch herum geschah, ins gnädige Vergessen abgerutscht sein, sondern sich auch die Scham über peinliche Klamotten, Frisuren und Lieblingsfilme in identifikatorische Rührung verwandelt haben.

Denn nicht anspruchsvolle Kunstfilme, sondern zumeist scharfkantige Genrefilme, die in der Nachkriegszeit "Schund" und in den Neunzigern "Trash" genannt wurden und dank des Zeitgeist-Instinkts unorthodoxer Regisseure überraschend zu Kassenknüllern aufstiegen, sind Remake-Kandidaten. Wer je im Kreise seiner Clique bei Dirty Dancing oder Flashdance geschmachtet, bei Freitag der 13. und Freddie Krueger gequietscht und sich über Arnies stoischen Machismus bei Terminato r beömmelt hat, wird diesen Momenten als den Sternstunden unbeschwerten Daseins nachtrauern. Vergessen scheint, dass die Attraktivität von solch alten Schätzchen eben oft darin lag, dass ihre Komik unfreiwillig war.

Hollywoods Butter-und-Brot-Geschäft

Nachdem sich die immer aufwändigeren Remakes von Horrorfilmen bereits seit Jahren als Hollywoods Butter-und-Brot-Geschäft erwiesen haben, ist der Revival-Zyklus nun in den achtziger Jahren, der Ära der geburtenstarken Jahrgänge und derer Kultfilme angelangt. Von Dirty Dancing und Basic Instinct gibt es bereits recht fürchterliche Remakes. Am 20. Oktober wird der Tanzfilm Footloose starten. Mit Super 8 erweist Produzent Steven Spielberg eigenen Erfolgsfilmen wie E.T. und Goonies Hommage. Roller Girl greift mit Rollerderbys die alte Skater-Mode wieder auf, mit Fright Night steht eine hübsche Wiederauflage der 1985iger Horrorkomödie an. Die lustigen Ghostbusters 3 stehen ebenso auf dem Drehplan wie Detlev Bucks von Tootsie inspirierter Spaß Rubbeldiekatz .

Für Produzenten sind Remakes im Grunde eine Win-Win-Situation; der Film-Inhalt wird als bekannt vorausgesetzt und muss nicht lang erklärt werden, was umso mehr Zeit für Effekte und Action verschafft – wie zuletzt die 3D-Version von Die drei Musketiere bewies. Sollte trotz Mund-zu-Mund-Propaganda von einer Generation zur nächsten die taschengeldabhängige Zielgruppe nicht anbeißen, bleibt immer noch die Hoffnung auf das gut abgehangene Publikum und die DVD-Auswertung.

Der Frankfurter Conan -Regisseur Marcus Nispel, 1963 geboren, ist übrigens derselbe Jahrgang wie der frühere Videothekenangestellte Quentin Tarantino. Im Gegensatz jedoch zu Grobmotoriker Nispel hat Tarantino den einst unbeabsichtigten künstlerischen Mehrwert schrundiger B-Movies als Erfolgsrezept entdeckt und zum Beispiel mit Kill Bill ein energiegeladenes Best Off jener verstaubten Videokassetten komponiert – und Schund in die Kategorie "Prädikat wertvoll" umgewertet.