Apollo 18 vorauseilte. Erst kündigte die Filmproduktionsgesellschaft Dimension Films ein großes Ding an und ließ verlauten: Dieser Film ist gar keine Fiktion, das Material haben wir im Netz gefunden! Ganze 84 Stunden Rohmaterial vom letzten bemannten Flug zum Mond hat der Regisseur Gonzalo López-Gallego auf lunartruth.org entdeckt und zusammengeschnitten. Von der Mission Apollo 18, von der die Öffentlichkeit bislang nichts wusste. Eine Sensation! Doch dann wurde zurückgerudert: Ok, wir haben uns das alles nur ausgedacht. Gonzalo López-Gallego hat lediglich seinen ersten englischsprachigen Film gedreht. Leider ist der, ähnlich wie die Kampagne, trotz guter Ausgangsidee nicht richtig durchdacht. 

Was war das für eine verkorkste Kampagne, die

Siebzehn Apollo-Flüge haben die USA zum Mond geschickt, ein achtzehnter war geplant, wurde aber 1970 abgesagt. Diese Geschichte weiterzuspinnen ist eigentlich keine schlechte Idee. Aber genau so halbherzig und schluderig, wie das Projekt im Vorfeld verkauft wurde, ist auch der Film gemacht. Science Fiction und Horrorthriller stehen als Genres im Programmheft, doch von beidem bietet Apollo 18 nicht genug.


Die ersten verwackelten Bilder des Films zeigen eine fröhliche Gartenparty. Die drei Astronauten Benjamin Anderson (Warren Christie), Nathan Walker (Lloyd Owen) und John Grey (Ryan Robbins) genießen offensichtlich die Zeit mit ihren Frauen und Kindern. Ein letztes Mal erleuchtet warmes, helles Herbstlicht die Leinwand, bevor sich das kalte Mondlicht über die Aufnahmen legt. Es ist das Jahr 1974, mitten im Kalten Krieg. Die USA fürchten einen möglichen russischen Nuklearschlag. Also starten die drei Astronauten in streng geheimer Mission, um ein Raketenfrühwarnsystem auf den Mond zu bringen. Kurz nach der Landung zeigt sich, dass dort etwas nicht stimmt: Ein russischer Astronaut liegt tot in einem Krater, sein Blut verschmiert die Innenwände seiner Mondfähre. Eines Morgens ist die amerikanische Flagge heruntergerissen. Die Astronauten finden seltsame Spuren am Boden. Als sie abfliegen wollen, können sie nicht starten: Etwas hat die Isolierschicht der Mondfähre zerfetzt.

Wer steckt dahinter? Der Zuschauer ahnt die Antwort: natürlich Aliens. Die surren bald – als Steine getarnt – in die Mondfähre, in den Anzug und in den Bauch von Nathan Walker. Der Kampf gegen die Außerirdischen ist aussichtslos und für den Zuschauer wenig spannend. Die Bilder flimmern und flackern, es blitzt und wackelt, die Astronauten schreien und raufen, torkeln und fallen. Doch das Blair Witch Project auf dem Mond ist zu platt, um gruselig zu sein, und zu gewollt gruselig, um witzig zu sein.

Freude bereitet dabei lediglich die Omnipräsenz der Kamera, die den Bogen schlägt von 1974 ins 21. Jahrhundert. Mit ihrem Drang, alles auf Videoband festhalten zu müssen, sind die Astronauten ein Sinnbild der Hobbyfilmer von heute. Sie filmen sich beim Schlafen und beim Essen, bei Rundgängen und im Kampf mit den Gegnern. Ihre Dokumentationswut erinnert an all das Film- und Fotomaterial, das täglich im Internet abgelegt wird – dort, wo der Regisseur Gonzalo López-Gallego auf seine "echten Mondaufnahmen" gestoßen sein wollte. Hier schließt sich dann der Kreis. Den Film rettet dieses Erkenntnis nicht.