Was wäre die deutsche Kinderbuchwelt ohne Cornelia Funke ? Über vier Millionen Exemplare ihrer Kinder- und Jugendromane sind hierzulande über die Ladentische des Buchhandels gegangen. Aber das sind nur Zahlen, mit denen der tatsächliche Einfluss Funkes auf die Lesewelt der Kinder nur unzureichend ermessen werden kann.

Mit Die wilden Hühner ist Funke eine Buchreihe gelungen, die zahllose Mädchen vom Kindsein ins Jugendalter begleitet hat und einen wichtigen Gegenpol zum rosafarbenen Feenzauberkitsch bildet, mit der die Kinderbuchregale unaufhörlich überzuckert werden. Auf der anderen Seite hat Funke in der Tintenherz -Trilogie eine vielschichtige, sinnliche Fantasiewelt erschaffen, die nach Harry Potter zum wichtigsten Paralleluniversum für lesebegeisterte Jungen und Mädchen geworden ist.

Aber in Funkes Werk gibt es auch Bücher, die etwas ungelenk zwischen Realismus und Fantasy hängen und dazu gehört Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel . Das Buch liest sich eher wie eine Auftragsproduktion für jenes Fest, das für Kinder immer noch eines der aufregendsten Ereignisse des Jahres ist, jedoch – Kommerz! Konsum! – zunehmend seines Zaubers beraubt wird.


Dagegen zieht Funkes Weihnachtsmann, der nun von Oliver Diekmann für die Leinwand adaptiert wurde, ins Feld und fällt direkt vor die Füße von Ben (Noah Kraus), der mit seinen Eltern gerade aus München in eine Kleinstadt gezogen ist und dort noch nicht richtig Anschluss findet.

Der Herniedergekommene nennt sich Niklas Julebukk (Alexander Scheer) und hat sich mit zwei Engelchen und zwei Kobolden in einem Bauwagen häuslich eingerichtet. Er wird verfolgt von dem bösen Waldemar Wichteltod (Volker Lechtenbrink), der sich für die Wunschträume der Kinder nicht interessiert, sondern das geliebte Fest in eine gewinnbringende Konsumorgie verwandeln will. Eigentlich glaubt Ben nicht mehr so richtig an den Weihnachtsmann, aber der leibhaftige Julebukk belehrt ihn eines Besseren. Gemeinsam mit dem eigensinnigen Nachbarsmädchen Charlotte (Mercedes Jadea Diaz) tritt er gegen Wichteltod und dessen Nussknackerbande an.

Diekmann setzt die schmale literarische Vorlage werkgetreu und inspirationsarm um. Eine gestalterische Freiheit, wie sie sich etwa Detlev Buck für seine Verfilmung des Funke-Romans Hände weg von Mississippi nahm, fehlt hier leider völlig. Einzig die Verfolgungsjagden mit den Wichteltodmannen wurden durch ein wenig Motorschlitten-Action jungsgerecht aufgepeppt. Die steifbeinigen visuellen Effekte, die Real- und Fantasy-Elemente miteinander verbinden sollen, dürften hingegen die Generation Gameboy eher kalt lassen.

Äußerst angestrengt wirken auch die Versuche des fehlbesetzten Alexander Scheers der Rolle des Weihnachtsmannes ein wenig Coolness einzuhauchen. Das größte Manko jedoch liegt im Atmosphärischen: Der Adaption will nicht gelingen, Julebukks weihnachtliche Wohlfühlwelt ins Bild zu fassen und auf der Leinwand einen eigenen visuellen Zauber zu entwickeln.