Als die Lichtburg in Essen 1928 eröffnet wurde, galt sie als eines der modernsten Filmtheater Deutschlands. Weil sie diesen Ruf unbedingt bewahren möchte, setzte die Kinobetreiberin Marianne Menze früh auf die digitale Vorführtechnik. Schon seit 2007 kommen die Kopien ihrer Filme nicht mehr nur auf riesigen Rollen ins Haus, sondern auch über den Server.

Den digitalen Projektor least die Lichtburg auf eigene Kosten. Ihn in dem winzigen Vorführraum neben den analogen 35mm- und 70mm-Projektoren unterzubringen, war ein kleines Kunststück. Dabei hätte sie "für den Kinoalltag die digitale Technik nicht unbedingt gebraucht", sagt Menze, die neben der Lichtburg für fünf Programmkinos mit sechs Sälen in Essen und Mülheim verantwortlich ist. "Auch weiß man nicht, wie lange ein digitaler Projektor funktioniert. Ein analoger hält Jahrzehnte", sagt sie. Weil die Film-Verleihe bestimmte Normen für die Projektoren verlangen, belaufen sich die Kosten einer Digitalisierung pro Leinwand auf 70.000 bis 80.000 Euro. " Die wenigen Vorteile wiegen die Anschaffungs- und höheren Betriebskosten nicht auf. Eine digitale Aufrüstung ist somit ohne finanzielle Unterstützung nicht realisierbar", stellt Menze klar.

Um die Digitalisierung mit den hohen Standards in kleinen Kinos voranzutreiben, setzen sich die Filmförderanstalten der Länder ein. Seit 2010 hat zum Beispiel die Film- und Medienstiftung NRW 48 Kinos mit insgesamt einer Million Euro unterstützt.

Zudem entwarfen die FFA und die BKM Fördermodelle für sogenannte Kriterienkinos. Dazu zählen in Deutschland etwa 1.500 Kinos, die mindestens einen Umsatz von 40.000 Euro pro Jahr und höchstens von 260.000 Euro erwirtschaften oder jährlich mindestens 8.000 Kinobesucher haben. In die Fördertöpfe sollen auch die Verleiher einzahlen.

"Die deutschen Verleiher bemühen sich um Lösungen, aber die Hollywood-Majors sperren sich. Das macht die Situation für die Programmkinos sehr schwierig", sagt Felix Bruder, Geschäftsführer der AG Kino-Gilde e.V. Der Interessenvertreter der Filmkunsttheater sieht die Zukunft von kleinen Kinos gefährdet. Deshalb rief die AG Kino-Gilde im Herbst 2011 zum Umrüstungsstopp auf. "Wir wollen damit auf unsere Situation aufmerksam machen und die Kinos vor unüberlegten Umbauten warnen", sagt Bruder. Denn noch sei nicht abzusehen, wie hoch die Folgekosten sind, die die Kinos in Zukunft tragen müssen.

"Ich begrüße die Digitalisierung, weil sie neue Wege eröffnet", sagt Kim Ludolf Koch. Er ist Geschäftsführer der Cineplex-Gruppe, zu der sich in den neunziger Jahren eigenständige Kinobetreiber zusammenschlossen. Säle mit digitaler Technik könnten zum Beispiel an Firmen oder Privatpersonen vermietet werden, die ihre eigene DVD oder Präsentation mitbringen. Bis 2012 sollen alle 470 Leinwände der Cineplex-Gruppe umgerüstet sein. Koch hält dabei die einheitlich hohen Qualitätsstandards für sehr wichtig: "Sonst entsteht ein Wildwuchs. Jeder, der über einen großen Raum verfügt, könnte sich ein günstiges Vorführgerät kaufen und sich Kino nennen."

Das ist auch ein Grund für die Cinemaxx AG umzurüsten. Die Hamburger Firma ist mit 31 Kinocentern und 270 Leinwänden einer der größten Betreiber von Multiplex-Filmtheatern in Deutschland. 130 Säle hat sie bislang digital umgerüstet. In einem großen Teil dieser Säle finden nun regelmäßig Live-Übertragungen von Opern, Balletten , Konzerten aus der MET in New York, dem Bolschoi-Theater in Moskau oder auch der Berliner Philharmonie statt. Obwohl die Karten für solche Events 25 bis 30 Euro kosten, sind die Vorstellungen teilweise schon lange vor dem Termin ausverkauft.

Solche Zusatzeinnahmen sind wichtig, da die Cinemaxx AG die Kosten der Digitalisierung bislang alleine trug. Nach den Fördergeldregeln ist das Unternehmen zu groß, um unterstützt zu werden. "Es ist eine seltsame Konstruktion, dass wir als sogenannte Marktkinos keine Förderung erhalten, obwohl wir über die Kinoabgabe große Summen in die Fördertöpfe einzahlen", sagt der Pressesprecher Arne Schmidt. Diese Bevorzugung der kleinen Kinos sei falsch. Der Preis für die Modernisierung macht nicht nur den kleinen Kinos zu schaffen und Cinemaxx hat bislang lediglich die 130 Säle mit digitalen Projektoren ausgestattet, in denen 3D-Filme gezeigt werden können . Denn für diese Vorstellungen sind die Besucher bereit, ein paar Euro mehr zu bezahlen.