Die Stars eines Festivals reisen an und verlassen Pressekonferenzen durch den Hintereingang des Hotels, sie bringen ihre Fans dazu, Trittleitern mitzuschleppen, damit selbst in der fünften Reihe des Gedränges noch ein Blick auf das Idol möglich ist. Auch die Berlinale dient mit diesem launigen Getöse, schließlich ist sie das größte Publikumsfilmfest.

Am vergangenen Samstag kam Angelina Jolie, am Freitag Robert Pattinson. Zwei Hochkaräter im Collier der Celebrities, die der Berlinale-Chef Dieter Kosslick mit den beiden Premieren Im Land von Blut und Honig und Bel Ami nach Deutschland locken konnte.

Natürlich sollte während eines Filmwettbewerbs auch die Kunst des Filmemachens vorgeführt werden: das kunstvolle Erschaffen einer der Realität nur mittelbar verbundenen Bilderwelt, das gekonnte Erzählen durch Bewegung und Ruhe, Ton und Stille. Auch dafür hatte Kosslick Hübsches vorbereitet, zum Beispiel den zauberhaften indonesischen Film Postcards from the Zoo und den portugiesischen Film Tabu .

Die Relevanz des Filmemachens

Die Berlinale begreift sich aber auch als das politischste der großen Filmfestivals, und es war bemerkenswert für ihre Welt der sonst so glattgeschliffenen Sätze, wie explizit Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit und selbst der manchmal recht spröde Kulturstaatsminister Bernd Neumann während der Eröffnung auf die Relevanz des Filmemachens für aktuelle Konflikte weltweit hinwiesen. Kosslick hatte dafür so gelungene Filme eingeladen wie Just the Wind und den eröffnenden Historienfilm Les Adieux à la Reine .

Wenn am Samstag die Bären verliehen werden, geht es für die Berlinale darum, all diese Aspekte zu berücksichtigen: Unterhaltung, Kunstfertigkeit, Relevanz. Im realistischen, nicht zwangsläufig besten Fall kürt die Jury dann einen konsensfähigen Film. Alle drei deutschen Beiträge böten sich dafür an: Was bleibt, Barbara und Gnade .

Oder aber die Jury bewertet die Relevanz eines Beitrags besonders hoch und kürt einen starken Themenfilm. Dann wäre dies wohl Rebelle .