In dieser franko-kanadischen Produktion wird das Schicksal einer Kindersoldatin in Afrika erzählt. Obwohl es nicht gesagt wird, gibt es starke Bezüge zu den Zuständen im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Zehntausende Kinder sind dort in den Jahren der Kongokriege und -konflikte verschleppt und zu Kindersoldaten ausgebildet worden, größter körperlicher und seelischer Grausamkeit ausgeliefert. Etwa vierzig Prozent von ihnen sind Mädchen. I n einem Interview sagte der ehemalige UN-Nothilfekoordinator und Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, John Holmes , es habe auch in anderen Konflikten Vergewaltigungen als Taktik der Kriegsführung gegeben, aber die Situation in der Demokratischen Republik Kongo sei anders: "Die Größenordnung und die Brutalität übersteigen das menschliche Vorstellungsvermögen."

Wie kann man daraus einen Kinofilm machen? Der Regisseur Kim Nguyen stieß auf den Ansatz für seine Geschichte über einen Zeitungsbericht. Darin wurden zwei zehnjährige Krieger beschrieben, denen ihr Anführer magische Kräfte zuschrieb, weil sie halluzinierten. "Die Kinder, die das durchmachen, müssen die Gewalt für sich irgendwie zähmen", sagt Nguyen, der Zeugnisse von überlebenden Kindersoldaten studierte. Sie schaffen sich eine Art Wahrnehmungsfilter. Komona, die Titelfigur in Nguyens Film, sieht die Geister der Ermordeten. Dafür wird sie vom Rebellenführer zur war witch ernannt.

Für die Grausamkeiten, von denen der Film handelt, hat Nguyen einen fast poetischen Umgang gefunden: Er bettet die Handlung ein in den Monolog Komonas an ihr ungeborenes Kind. "Ich bete zu Gott, dass ich die Kraft haben werde, dich zu lieben", verspricht sie ihm gleich zu Anfang. Später, als sie von dem Schrecklichen redet, bricht sie an einer Stelle ab und sagt: "Wenn ich dir davon erzählen würde, könntest du nicht zuhören. Du würdest tun, als hätten deine Ohren Löcher."

Kann man an Hoffnung glauben?

Doch es gibt auch Momente des Glücks: Komona und ihr geliebter Freund konnten in ein Dorf fliehen. Dort helfen sie, die Früchte der Ölpalmen zu ernten und auszupressen. Wir sehen, wie sie danach gemeinsam auf einer Wiese sitzen. Kann man hier an Hoffnung glauben? Wie eine Antwort kracht schon Sekunden, bevor der Schnitt zur nächsten Szene folgt, der Hieb einer Machete.

Dennoch: Rebelle  ist kein unerträglicher Film. Der Regisseur wollte gar so etwas Fantastisches wagen, wie die Hoffnung zu wecken, dass Menschlichkeit möglich ist – trotzdem. Zumindest hat er uns die unglaubliche Widerstandsfähigkeit eines Menschen vorgeführt. Er zähmt das Grausame für uns, damit wir es an uns heranlassen können. Damit trifft es einen freilich umso schmerzlicher.

Nach der Vorstellung kam Rachel Mwanza auf den roten Teppich, die Hauptdarstellerin und der Star dieses Films. Das Mädchen trug ein schwarzes Kleid mit transparenten kurzen Ärmelchen und posierte etwas unbeholfen im Blitzlicht der Fotografen. Sie ist eine Laienschauspielerin. Als sie der Regisseur in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa für sein Projekt entdeckte, lebte sie auf der Straße. Auf der Berlinale sagte Nguyen über sie: "Ihr Leben hat erstaunliche Parallelen zu dem ihrer Figur."