"Stell dir mal vor, was das werden könnte: ein Roman ohne Hauptfigur! Es ist alles da - das Thema, die Verbindung, der Bogen, aber kein durchgehender Held." Das, wofür sich der eingebildete Schriftsteller Leo Richter (Stefan Kurt) literarisch begeistert, ist im Kino ein alter Hut. Spätestens seit Robert Altmans Short Cuts ist die Loseblattdramaturgie zu einer beliebten filmischen Spielart geworden.

P.T. Andersons Magnolia , Paul Haggis L.A. Crash und Alejandro González Iñárritus Babel verfeinerten das Konzept des fragmentierten Erzählens, das sich auch immer als eine Reflexion des modernen Lebens begreift, in dem die Menschen durch die neuen Technologien global kommunizieren können und dennoch immer stärker nebeneinanderher leben. Beide Aspekte spielen in Daniel Kehlmanns Buch "Ruhm" , in dem er sich nach dem enormen Erfolg seines historischen Roman "Die Vermessung der Welt" ganz und gar der Gegenwart verschrieben hat, ein zentrale Rolle. Es sind auf der einen Seite die Tücken der modernen Kommunikationstechnologie und auf der anderen Seite der Prozess des Geschichtenerzählens selbst, die die verschiedenen Figuren in Kehlmanns Roman und nun auch in Isabel Kleefelds filmischer Adaption miteinander verbinden.

Während der gefeierte Autor Leo Richter bei einer Lesung in Südamerika aus einem unveröffentlichten Werk rezitiert, nimmt seine todkranke Hauptfigur Rosalie ( Senta Berger ) in einem anderen filmischen Erzählstrang Gestalt an und macht sich auf den Weg zu eine Schweizer Sterbehilfeunternehmen. Richters Freundin Elisabeth (Julia Koschitz) erzählt ihm schon lange nichts mehr aus dem eigenen Leben als Ärztin in Krisenregionen, weil sie nicht mehr in seinen Büchern vorkommen will.


Durch eine Fehlprogrammierung in einem Mobilfunkunternehmen bekommt der Techniker Joachim Ebling (Justus von Dohnányi) die gleiche Telefonnummer wie der deutsche Hollywood-Star Ralf Tanner ( Heino Ferch ). Während Ebling sich zögernd auf die fernmündlichen Avancen von Tanners Verehrerinnen einlässt, beginnt der in die Schlagzeilen geratene Promi die neue Unerreichbarkeit zu genießen. Durch fehlende telefonische Kommunikationsmöglichkeiten wiederum wird für die Krimiautorin Maria Rubinstein (Gabriela Maria Schmeide) die Rundfahrt durch eine ehemalige Sowjetrepublik zur verhängnisvollen Odyssee.

Auf insgesamt sechs Erzählstränge wird Kehlmanns "Roman in neun Geschichten" in der filmischen Adaption herunter gekürzt, bleibt dabei aber dennoch um Werktreue bemüht. Trotzdem verliert das Unternehmen nach einem vielversprechenden Start schon bald an Fahrt, weil den Figuren im Korsett der 103 Filmminuten zu wenig Raum zum Atmen bleibt. Daran kann auch das hochkarätige Ensemble nur bedingt etwas ändern. Schauspieler wie etwa Justus von Dohnányi erscheinen oftmals unterfordert. Die Verbindungselemente zwischen den einzelnen Episoden wirken auf der Leinwand plumper und der schwebend übergeordnete Kontext ist in der Filmversion trotz versöhnlicher Schlussworte nur vage zu erkennen.

Anmerk. d. Red.: Nach einem Leserhinweis wurde der Text an folgender Stelle geändert:  Ruhm ist das zweite Buch Kehlmanns nach seinem Erfolgsroman Die Vermessung der Welt.