Es ist soweit. Was niemand offen auszusprechen wagte, was höchstens im Rahmen einer biologischen Lösung möglich schien – es wird Wirklichkeit: Harald Schmidt verlässt die Fernsehnacht. Seine Sommerpause verlängert sich in die Ewigkeit, am 3. Mai verlässt Deutschlands brachialster, klügster, giftigster, selbstbewusstester, selbstgerechtester, bester Talkshowmoderator sein kommerzielles Biotop Sat1. Es dürfte mehr sein als ein personeller Abschied; Schmidts Rücktritt bedeutet auch das Ende eines Genres. Die Late Night stirbt. Zumindest hierzulande.

Denn wer sollte nach dem schwäbischen Sendezeitvergeuder in der Lage sein, diesen Friedhof der Alphatiere zu pflegen? In 20 Jahren ist daran ein Gottschalk ebenso gescheitert wie Anke Engelke , Oliver Pocher , Niels Ruf. Der talentierte Mr. Stuckrad-Barre wurde ins Quotenabseits ZDFneo befördert, Stefan Raab macht Comedy, es kam einfach nichts vor, nach, neben Schmidt. Und auch die zynischste Zunge der Zunft hatte ja zu allen Zeiten schlechte Zeiten, besonders zuletzt, weshalb die Quote sank und sank. Ein Grund dafür: Ästhetisch mag die hiesige Late Night ihrem US-Vorbild aufs Haar gleichen; dessen politische Relevanz hat sie nie erreicht.

Und Harald Schmidt mag den whiteheads Letterman und Leno immer mehr ähneln; geschmacklich trennen die deutschen Krümel vom amerikanischen Kuchen TV-Welten. Gesellschaftlich relevante Sujets werden nicht verhandelt, sondern bestenfalls drapiert. Dass The Daily Show (mit Jon Stewart ) als Polittalk wahrgenommen wird, dass eine Regierungskandidatur (von Schwarzenegger) in der Tonight Show verkündet wird, dass Late Night (seit Johnny Carson) als nationales Kulturgut gilt – auf unseren Flatscreens undenkbar.  Bei uns ist das Konzept schließlich strikt komödiantisch, ohne eine Richtungsentscheidung hin zur Comedy zu treffen. Das war und ist Intellektuellen oft zu anspruchsarm, den meisten Anspruchslosen dagegen zu verstiegen, insgesamt also zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Jedenfalls bis 3. Mai.