Wenn Sie gerade keine legalen Drogen zur Hand haben:

Holy Motors von Leos Carax – Die Geschichte ist völlig gaga: Ein Mann wird in einer Stretchlimo einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang kreuz und quer durch Paris chauffiert, um unterschiedliche "Termine" wahrzunehmen. Dabei schlüpft er immer wieder in neue Rollen eines anderen Lebens. Irre Bilder, bizarrer Humor und die Handlung hält sich nicht an das übliche Zeit-Raum-Kontinuum. Ein halluzinogener Trip.

Wenn Sie zum besseren Menschen werden wollen – und zwar sofort:

The Angels' Share von Ken Loach – Der britische Regisseur ist ein Garant für komische Szenen allererster Güte. So verpackt schlucken wir seine sozialkritischen Beobachtungen gerne, und diesmal fällt das besonders leicht: Das Setting liegt zwar wieder auf der Unterseite der Gesellschaft, aber dann geht es in die schottischen Highlands. In allen anderen Wettbewerbsbeiträgen von Cannes zusammengenommen wurde nicht so viel gelacht wie in diesem wunderbaren Film. Wer danach nicht sofort eine gute Tat begeht, soll Fusel trinken!

Wenn Sie Ihren Schülern Film erklären wollen:

In another Country von Sangsoo Hong – Der Episodenfilm des Südkoreaners veranschaulicht, wie man aus den immer gleichen dramatischen Elementen (alleinreisende, schöne Frau; hübscher, aber dummer Junge; gottverlassenes Kaff; Eifersucht) unterschiedliche Geschichten stricken kann. Darüber hinaus sind so ungewöhnliche Kameratechniken wie Zooms zu sehen (normalerweise meiden Regisseure sie, weil sie so gar nicht dem menschlichen Blick entsprechen.) Und natürlich kann man die Kunst von Isabelle Huppert studieren. Eine Fülle an Lerninhalten also. Praktisch: Kein bisschen Handlung lenkt von den Lerninhalten ab.

Wenn Sie zur Rechthaberei neigen:

Beyond the hills von Cristian Mungiu – Der sehr kluge rumänische Regisseur hat einen neuen sehr klugen Film gedreht. Diesmal geht es um einen Fall von Exorzismus in einem rumänischen Kloster, den eine junge Frau nicht überlebt. Mungiu hindert uns aber daran, allzu voreilig über fanatischen Glauben oder die Kirche zu urteilen. Denn alle, die hier handeln, sind zutiefst davon überzeugt, das Richtige zu tun. Manche handeln sogar aus Liebe. Die anderen tun nichts. Viele Gründe, sein Gewissen und seine eigenen Handlungsmotive zu durchleuchten. Ach übrigens, das Ganze ist auszeichnungswürdig schön gefilmt.

Sie sind Nicole-Kidman-Fan:

The Paperboy von Lee Daniels – Kidman spielt Charlotte, eine Frau, die sich mit einem zum Tode Verurteilten Briefe schreibt und in ihn verliebt (man ahnt: aus Sehnsucht nach Anerkennung ihrer inneren Werte). John Cusack spielt den Todeskandidaten und hat dabei nichts, aber auch rein gar nichts Sympathisches an sich. Obwohl Lee Daniels seine Hauptfigur mit falschen Wimpern, blonder Perücke, Minikleidern und rosageschminktem Schmollmund als Barbie inszeniert, schafft Nicole Kidman es, dieser Charlotte Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Sie sind Brad-Pitt-Fan:

Killing them softly von Andrew Dominik – Pitt wie gehabt extrem cool, extrem höflich, extrem zynisch. Diesmal spielt er einen Cleaner, der nach einem läppischen Raubüberfall die Schuldigen zur Strecke bringen soll. Trotz aller Grausamkeit wirkt Pitt dabei nicht grotesk oder überzeichnet.

Sie sind Fan großer Schauspielkunst:

Paradies: Liebe von Ulrich Seidl – Wie alle Filme des österreichischen Regisseurs ist auch die Geschichte über Sextouristinnen in Kenia eigentlich nicht auszuhalten. Wo andere weggucken, schaltet Seidl seine Kamera überhaupt erst ein. Was seine Hauptdarstellerin Margarete Tiesel diesmal für ihn leistet, liegt jenseits der Schmerzgrenze und hätte eine Auszeichnung verdient.