Erst friert's, dann taut's, und nun, in Ice Age 4 , brechen die Kontinente auseinander. Und wieder tönt es aus der tierischen Patchworkfamilie um das Faultier Sid, das Mammut Manni und den Säbelzahntiger Diego: "Wir müssen hier verschwinden!" Mit der immerwährenden Flucht vor der Natur geht es in Voll verschoben erst einmal weiter. Nun ist das Rattenhörnchen Scrat schuld, das immer so liebenswürdig-gierig einer Eichel hinterherjagt. Es rammt die geliebte Frucht in den Boden und schon reißt die Erde auf – sehr zum Nachteil der restlichen Tierwelt, die auf einmal von auseinanderbrechenden Bergen bedroht wird und fliehen muss.

Wir treffen die bekannten Protagonisten zunächst in einem schönen Pleistozän-Park an: Manni das Mammut hat mit seiner Partnerin Ellie Nachwuchs bekommen, Peaches (tolle Sprecherin: Annina Braunmiller). Peaches steckt mitten in der Pubertät. Sie begehrt auf, hasst ihren Vater, streicht sich mit dem Rüssel immerzu kokett das Haar aus der Stirn und ist verliebt in das großkotzige adoleszente Mammut Ethan. Als plötzlich der Boden aufbricht, wird Manni von seiner Familie getrennt, er treibt auf einer Eisscholle mit seiner alten Clique aufs offene Meer hinaus und muss einen Weg zurückfinden.

Familien- und daraus resultierende Loyalitätsprobleme sind das dominierende Thema dieses Films, der deshalb einen pädagogischen Zug bekommt. Sid (immer noch synchronisiert von Otto Waalkes ) das Faultier trifft zum Beispiel seine verloren geglaubte Familie wieder. Doch die Verwandten sind nur gekommen, um seine alte Oma bei ihm abzustellen, die ihnen auf die Nerven gefallen ist. Sid verhält sich loyal zu seiner Oma, was ihn während des Kontinentaldrifts auf der Eisscholle in arge Bedrängnis bringt.

Wem gegenüber soll man überhaupt loyal sein? Den Blutsverwandten, für die man nichts kann? Den selbstgewählten Freunden? Oder den eigenen Artgenossen? Und wie verhält sich das mit dem Opportunismus im Angesicht der Gefahr? Soll man schnell die Seiten wechseln? Das sind so die ethischen Fragen, mit denen sich die Tiere in Ice Age 4 auseinandersetzen müssen.

Wie in den drei Filmen zuvor sind die Dialoge des Eiszeitfilms schnell und lustig. "Wir werden alle ertrinken!" – "Du bist ein Meerestier, du Idiot!" Diesen führen zwei Piraten: der böse Gigantopithecus Utang und sein schwabbelig-glibberiger, untergebener See-Elefant. Sie leben auf einem Eisschollenschiff und überfallen Sid, Sids Oma, Diego und Manni, die im Wasser umhertreiben. Zu den Piraten gehört auch eine Säbelzahntigerin namens Shira. Am Beispiel Shira und Diego lernen die jungen Zuschauer nun, dass Zuneigung bei den höheren Säugetieren manchmal in Kälte und Abweisung umgeformt werden muss, damit man im Hormonsturm nicht durchdreht.

Als es dann zur Entscheidungsschlacht mit den Piraten kommt, müssen sich die moralischen Entscheidungen aller Beteiligten bewähren, müssen die Allianzen funktionieren, damit Manni seine Familie an Land wiedersehen kann. Wenn alles glattginge, gäbe es zwar ein Happy End, doch wäre dann der Lerneffekt für die Zielgruppe eher gering. Andererseits: In der Wirklichkeit können Hörnchen auch nicht fechten.