Seit acht Jahren schon üben die geistig Behinderten im Tageszentrum "Paradies" das Schleifenbinden und bekommen es einfach nicht hin. Sie haben keine Lust mehr auf das stupide Training, aber ihre Betreuerin Hanna (Vanna Rosenberg) ist der Meinung, dass ihre Schützlinge alltägliche Fähigkeiten erlernen sollen.

"Geduld und Struktur" schärft sie dem neuen Mitarbeiter Alex (Sverrir Gudnason) ein, darauf käme es an in der Arbeit mit den Behinderten. Aber der arbeitslose Schauspieler will sich nicht abfinden mit den strengen Regeln. Im täglichen Umgang entdeckt er die Fantasie und musikalische Begabung der "Paradies"-Bewohner und beginnt, mit ihnen Theater zu spielen.

Seit 1996 gibt es im schwedischen Hudiksvall das Glada-Hudik-Theater , das aus einem Tageszentrum für geistig behinderte Menschen heraus entstanden ist. Der damalige Betreuer Pär Johansson hat es gegründet. In Die Kunst, sich die Schuhe zu binden erzählt Lena Koppel die Entstehungsgeschichte des Projektes in einer fiktionalisierten Form nach.

Die Stärke des Films sind die geistig behinderten Darsteller, die ihre Figuren souverän von der Stigmatisierung befreien und zu eigenen, originellen Charakteren ausbauen. Die dramaturgische Struktur des Filmes hingegen bleibt allzu überschaubar und orientiert sich an den Formatvorlagen von amerikanischen Theater-, Musical- oder Sportfilmen, in denen Außenseiter um ihre Anerkennung ringen und die Ambition nach einem schweren Rückschlag schließlich zum Triumph führt.

Immerhin zeigt der Film im Wechselspiel zwischen dem etwas chaotischen, neuen Mitarbeiter und den geistig behinderten Menschen sehr gut, dass die Lernprozesse hier durchaus in beide Richtungen gehen. Ein wenig mehr Experimentierfreudigkeit hätte man der Filmemacherin gewünscht. Eine ungelenkere Erzählweise, mehr Ecken, hätten dieser ungewöhnlichen Geschichte gut getan. Sie wird so professionell, so konventionell erzählt, dass sie über ihr Anliegen kaum hinaus wächst. Die getrennten Welten von Behinderten und Nicht-Behinderten rückt sie dennoch ein wenig näher aneinander.