Konkurrenz hat Hunt in der Person von Keira Knightley , die in Anna Karenina stark aufspielt – notabene nicht nackt, sondern in wunderschönen Kostümen. Den Oscar fürs Beste Szenenbild hat Joe Wright ( Pride & Prejudice ) mit seiner Tolstoi-Adaption eigentlich sicher. Das theaterartige Setting des Films ist umwerfend.

Beim Besten Schnitt wird es kein Vorbeikommen geben an Cloud Atlas . Tom Tykwer ( Das Parfum ) und die Wachowski-Geschwister ( Matrix -Trilogie) zelebrieren eine nie dagewesene Montage-Orgie. Sie zappen in ihrer kolossalen David-Mitchell-Verfilmung zwischen sechs Geschichten hin und her. Der Film erzählt von einem schwulen Komponisten in den dreißiger Jahren, einem Sklaven-Befreier im 19. Jahrhundert, einem rebellischen Klon in der Zukunft, einem Verleger in einer Irrenanstalt, einer Journalistin im Kampf mit einem Atomkonzern und einem Ziegenhirten im postapokalyptischen Hawaii.

Er ist gleichermaßen Komödie, wie Drama, Krimi und Science-Fiction; streckenweise ist er auch recht brutal. Tom Hanks, Halle Berry, Hugh Grant, Jim Broadbent, Susan Sarandon und und und sind mit dabei in dem Dreistünder. Mehr noch, die Schauspieler gibt es in verschiedenen Rollen der verschiedenen Geschichten zu sehen; alles lappt übereinander, es ist zum Verrücktwerden. Vermutlich ist es die teuerste Indie-Produktion aller Zeiten. Der Film ist eine Wucht und ein Witz. Er ist ebenso beeindruckend wie bescheuert, so brillant wie beknackt. Es ist ein Größenwahnsinn von einem Werk, das im Filmseminar seziert werden muss. Das Premierenpublikum bedachte Cloud Atlas mit einer stehenden Ovation.

Tom Tykwer war nicht der einzige Deutsche, der sich im Elgin and Winter Garden Theatre Centre feiern lassen konnte. Frenetisch beklatscht wurde auch Margarethe von Trotta , deren Biopic Hannah Arendt seine Premiere just an dem Tag feierte, als Judith Butler in Frankfurt den Adorno-Preis entgegen nahm. Fünfzig Jahre nachdem Arendt mit Ein Bericht von der Banalität des Bösen über den Eichmann-Prozess als von Selbsthass getriebene Nazi-Verharmloserin diffamiert worden war, steht erneut eine jüdische Philosophin am Pranger. Es ist mithin das perfekte Timing für von Trottas Film, der eindrücklich zeigt, welcher Hass Hannah Arendt entgegenschlug, ehe ihre Gedanken salonfähig wurden. Das hier ist kein Film für den Oscar-Talk. Es ist einer, der wirklich zu reden gibt.