"Die Schule kannst Du Dir in den Arsch schieben, solange die Taliban hier sind." Der Soldat Ronnie Klein schreit seine Wut heraus. Sein Zorn gilt dem Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch , aber auch seinem Vorgesetzten und Freund, der vor ihm steht und Durchhalteparolen verkündet. "Wir schaffen demokratische Strukturen", sagt Oberfeldwebel Daniel Gerber und klingt dabei, als habe er die Erfolgsmeldungen des Verteidigungsministeriums auswendig gelernt.

Dieser kurze, emotionale Dialog bringt das Thema des Fernsehfilms Auslandseinsatz auf den Punkt. Ronnie Klein hat in den wenigen Wochen seines Afghanistan-Einsatzes eine junge Frau getroffen, die nicht zur Schule gehen darf, zwangsverheiratet werden soll und der die Taliban zwei Finger abschnitten haben. Klein wurde beschossen, feuerte zurück und tötete. Und was macht seine Armee in diesem Krieg? Sie baut eine Schule wieder auf, die von den Verbündeten der Bundesrepublik zerstört worden war.

2014 steht der Abzug der ausländischen Kampftruppen aus Afghanistan an. Dennoch werden deutsche Soldaten wohl noch Jahre dort bleiben. Was macht die Bundeswehr eigentlich in diesem Land? Und hat die Mission etwas gebracht? Solche Schlüsselfragen stellt Auslandseinsatz , der am Mittwoch, 17. Oktober, um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird.

Der Regisseur Till Endemann thematisiert die Probleme des Einsatzes: Sollten Soldaten wie Entwicklungshelfer agieren? Welcher Umgang mit der Bevölkerung ist richtig? Wie gehen Soldaten mit Tod und Verwundung um? Wie verändert der Krieg die Menschen – Zivilisten, Kämpfer und Soldaten?

Fast elf Jahre lang dauert der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr nun schon, länger als der Zweite und der Erste Weltkrieg zusammen. Erstmals töten und sterben Soldaten der Bundesrepublik in einem Krieg. Aufgegriffen wurde dieses komplizierte und kontroverse Thema von Theater-, Film- und Fernsehregisseuren in den ersten Jahren des Einsatzes kaum. Erst seit wenigen Jahren haben sie den Krieg am Hindukusch als Sujet entdeckt. Mit der WDR-Produktion bringt die ARD nun einen Fernsehfilm zur besten Sendezeit – der erste, der ausschließlich in Afghanistan spielt und sich vor allem mit den deutschen Soldaten und ihrer Einsatzrealität beschäftigt.

Realität? In den ersten Minuten wirkt der Film so als sei er von der Bundeswehr produziert worden: Es geht um vier junge Soldaten, drei von ihnen arbeiten als Team in der militärisch-zivilen Zusammenarbeit. Daniel Gerber (gespielt von Max Riemelt) wirkt wie das Idealbild eines deutschen Feldwebel: Besonnen, loyal, diszipliniert. Sein Gegenpol ist Ronnie Klein (Hanno Koffler), der wohl lieber bei der Infanterie kämpfen würde als Aufbauarbeit zu leisten. Zum Team gehört schließlich noch ein Deutsch-Afghane, für den die Mission eine Rückkehr in das Land ist, aus dem seine Familie einst floh. Die Vierte im Bunde ist eine Militärärztin mit großem Herz.

Der Film spielt in der Provinz Faisabad, gedreht wurde in Marokko . Die Landschaft ähnelt der in Nordafghanistan, auch die Statisten wirken echt. In der Realität gilt Faisabad als eine der ruhigsten Gegenden Afghanistans, in der es nur wenige Aufständische gibt. Die Bundeswehr baut dort gerade ihr Feldlager ab und hat die Provinz an die Afghanen übergeben.