ZEIT ONLINE: Stand diese Begeisterung symbolisch für die Fortschrittsgläubigkeit der sechziger Jahre?

Tesche: Ja, die Menschen hatten eine große Lust an neuer Technik. Nach dem Weltkrieg und dem Muff der fünfziger Jahre wollte man wieder zeigen, wer man war. Es ist auch symptomatisch, dass in den sechziger und siebziger Jahren die Autos eine so wichtige Rolle spielten. Man machte sich damals viele Gedanken, wie die Fortbewegungsmittel der Zukunft aussehen könnten, und es war die Zeit, in der Autos aufgerüstet wurden, mit Radios oder Fensterhebern. Für James Bond musste natürlich alles eine Nummer größer sein – daher schuf man für den Der Mann mit dem goldenen Colt 1974 ein fliegendes Auto, den AMC Matador.

ZEIT ONLINE: In späteren Filmen wird diese Technikbegeisterung eher augenzwinkernd kommentiert.

Tesche: Die Roger-Moore-Filme der siebziger und frühen achtziger Jahre kennzeichnet eher eine Ironisierung des Technikwahns. Sie werden mehr von Stunts und Zirkussensationen geprägt, was vor allem daran lag, dass man sich von der wachsenden Zahl anderer Action-Filme abheben wollte. In Sean Connerys Comeback Sag niemals nie 1983 freut sich der Waffenmeister Q, dass statt der zahlreichen Gadgets nun endlich wieder "Sex und Gewalt" zurückkehren.

ZEIT ONLINE: Heute leben wir in einer hochtechnisierten Zeit. War das ein Grund dafür, dass in den ersten beiden Bond-Filmen mit Daniel Craig die Figur des Q ganz abgeschafft wurde?

Tesche: Ich finde, es war einer der größten Fehler der Serie, Q nicht mehr auftreten zu lassen. Die Macher hatten sich damals aber offenbar überlegt, dass der Charakter heute ein anderer sein müsste. Kein alter Mann mehr, der technische Spielereien aus dem Hut zaubert. 

ZEIT ONLINE: Das ist in Skyfall nun auch der Fall.

Tesche: Ja, der neue Q, gespielt von Ben Whishaw, ist eher der Typ Nerd und Computerspezialist als Waffenmeister. Er schleust Bond mithilfe eines Programms der Londoner U-Bahn durch die Stadt und versucht, dessen Gegenspieler Silva zu orten. Q stattet Bond diesmal auch nur mit einem Funksender und einer Signaturwaffe aus, die 007 per Fingerabdruck-Scan freischalten kann. Dabei fragt er ironisch nach: "Haben Sie etwa einen explodierenden Kugelschreiber erwartet?"

ZEIT ONLINE: Ist James Bond also gerüstet für die Zukunft?

Tesche: Früher gab es den Bösewicht, der sich in einem Vulkankrater oder auf einer einsamen Insel versteckt hat und von dort aus die Weltherrschaft anstrebte. Heute, in Zeiten von Google Earth, muss man sich von solchen Geschichten verabschieden. Das zeigt auch der neue Film Skyfall : Der Böse ist immer unter und neben uns – aber dennoch schwer zu fassen. 

Änderung vom 31.10.12: In der zweiten Antwort wurde der Filmtitel von "Sag niemals nie" in "Octopussy" geändert