Die Hauptdarstellerin Julia Louis-Dreyfus bei der Premiere von "Veep" in New York © Stephen Chernin/Reuters

Keine Probleme damit, zu brav oder zu politisch korrekt zu sein, hat Veep. Hier geht es nicht um den Präsidenten, sondern um seine Stellvertreterin Selina Meyer. Die Vizepräsidentin (dafür steht die Abkürzung Veep) wird vom Präsidenten fortwährend ignoriert, er ist niemals zu sehen. Meyer, gespielt von der Seinfeld-Diva Julia Louis-Dreyfus, ist umgeben von einem Intrigantenstadl, der seinesgleichen sucht.

Allianzen werden geschmiedet und wieder gebrochen, Flüche ausgestoßen, Freunde gefeuert und Ideale für die Karriere verraten. Und das alles für ein paar Stimmen im Kongress oder ein paar Punkte bei den Umfragen. Die schlimmsten Feinde kommen natürlich nicht etwa von der Opposition — welcher Partei Selina angehört, bleibt offen —, sondern aus den eigenen Reihen.

Auch vor der Presse muss sich die Politikerin in Acht nehmen. In einer Episode wird sie vor einem lippenlesendem Reporter gewarnt, als sie gerade dabei ist, jemanden fluchend zusammenzustauchen. Denn Selina gibt sich zwar größte Mühe, in der Öffentlichkeit nett und sympathisch rüberzukommen. Tatsächlich ist sie eine skrupellose Politikerin mit eisernen Ellenbogen, genauso wie jeder männliche Kollege.

Veep läuft auf dem bleep-freien Bezahlsender HBO, wo es erlaubt ist, Worte zu verwenden, die nahelegen, dass ein anderer Charakter ein unziemliches Verhältnis mit seiner Mutter hat. Und solche Worte kommen mehr als häufig vor, vor allem von Selina. Das Skript stammt von Simon Blackwell, einem der zahlreichen boshaften Briten, die heute die amerikanische TV-Landschaft bevölkern. Die Serie ist nach Blackwells britischer Comedy The Thick of It geformt, die sich ihrerseits in der Nachfolge der legendären britischen Beamtenkomödie Yes Minister! wähnt.

Während aber Yes Minister! trotz allem Zynismus ein paar liebenswürdige Charaktere aufweist, würde man um die Mannschaft von Veep nicht trauern, wenn ein Meteorit auf den Flügel des Weißen Hauses fallen würde, in dem sich Selina meistens aufhält. Dem Erfolg der Serie schadet das nicht. Die  erste Staffel wurde mit vielen Fernsehpreisen überhäuft, eine zweite ist bereits bestellt.