"Bei der Unterhaltung", sagte Dieter Pfaff einst in einem Interview, "geht es um die Haltung. Aber die meisten betonen das Unter." Bei Pfaff war das anders. Schon der erste Sprung von der Theater- auf die Fernsehbühne führte ihn in eine zwar komische, aber keineswegs eindimensionale Rolle: Pfaff mimte den schrulligen Innendienst-Beamten Otto Schatzschneider in Der Fahnder, der immer irgendeine Ware aus seinem Spind verscheuern wollte.

Der gebürtige Dortmunder Pfaff, Jahrgang 1947, hatte Lehrer für Deutsch und Geschichte werden wollen. Doch das Studium brach er ab und heuerte stattdessen als Regieassistent am Theater Dortmund an. Später arbeitete Pfaff als Regisseur, Dramaturg und Autor an vielen Schauspielhäusern der Republik. Erst spät betrat er selbst die Bühne.

Es war Mitte der Achtziger und Pfaff schon Professor für Schauspiel in Graz, als es ihn schließlich auch vor die Kamera zog. Im Fahnder in der ARD, in Percy Adlons Familiensaga Die Schaukel im Kino und dann in den Neunzigern als dienstbeflissener Kriminaloberrat Vollmer im Kontrast zum coolen Ermittler Balko auf RTL. Pfaff etablierte sich in Nebenrollen als feinsinniger Charakterdarsteller.

Pfaff führte zwar auch mal bei einem Kleinen Fernsehspiel Regie, doch sein Medium waren die publikumswirksamen Formate, die Krimi- und Familienserien. Schon für seinen Part in Balko bekam er einen Grimme-Preis, einen zweiten erntete er für die RTL-Familienserie Bruder Esel, in der er einen Franziskanermönch spielte, der aus Liebe zu einer Frau seinen Orden verlässt. Dornenvögel trifft das wahre Leben.

Melancholisch, aber selten verzweiflungsschwer. Heiter, aber nie oberflächlich. Sensibel, aber nie gefühlskitschig – so waren die Rollen, die er sich nach und nach auch auf den fülligen Leib schreiben ließ. Sein Gewicht war für den Polizistensohn durchaus ein Thema: "Das Dicksein ist etwas, was mich erdet und mich am Boden festmacht," sagte er der einst der Zeitschrift Bunte.

Als Pfaff aus der Reihe der Nebendarsteller in die der Stars vortrat, war er schon fast fünfzig. Der einfühlsame Kommissar Sperling, den er selbst mit dem Autoren Rolf Basedow und dem Regisseur Dominik Graf entwickelt hatte, brachte ihm eine Goldene Kamera als bester Fernsehschauspieler ein.

Seine Art, an Rollen heranzugehen, nannte er in der taz "emotionalen Hochleistungssport". Seine Partien trage er mit sich spazieren und nehme sie abends mit ins Bett. Pfaff simulierte Emotionen nicht, er versuchte sie zu durchdringen. Eine fragend gehobene Braue, sparsame Gesten, viel Präsenz – das waren seine mimischen Mittel zum glaubwürdigen Ausdruck.