Die Stimmen sind prominent; Tomi Ungerer selbst ist mit seinem unverkennbaren Akzent als Off-Erzähler zu hören, daneben hört man Ulrich Tukur, Ulrich Noethen und Corinna Harfouch. Katharina Thalbach allerdings leiht dem Mondmann ihre typisch krächzende und scheppernde Stimme, die Tote wecken kann, aber zu diesem diaphanen Geschöpf von Outer Space so gar nicht passt.

Aus der Notwendigkeit, die Buchvorlage auf Spielfilmlänge zu strecken, entstehen leider weitere Misstöne. Denn dabei verwächst der Kinderfilm auch zur Hommage an den anderen Tomi Ungerer. Der 82-jährige Elsässer, der an dem Film mitarbeitete, ist ja nicht nur seit Jahrzehnten ein Star der Kinderliteratur, sondern auch ein zeichnender Satiriker und Erotomane, ein ewig gegen Konventionen aufbegehrender Rebell.

Doch manche Handlungsfüllsel, in denen Motive aus Ungerers Werken für Erwachsene aufgegriffen werden, stellen in diesem Kinderfilm schlicht einen Stilbruch dar. Besonders der Bösewicht, der machtgierige "Präsident der ganzen Welt", eine Mischung aus Ubu Roi und Chaplins Der große Diktator, wirkt aufgepropft und nervt mit Politbotschaften und langatmigem Paradenbrimborium. Auch die dramaturgische Funktion einer dominahaften Intrigantin bleibt, abgesehen von den auf Erwachsene gemünzten Anzüglichkeiten, im Dunkeln.

Daneben erinnern Streiflichter auf Hofschranzen an die High-Society-Kreaturen in Ungerers The Party, die er 1966 im gleichen Jahr wie den Mondmann veröffentlichte. Nicht nur der U-6-Zielgruppe dürfte angesichts dieser satirisch gemeinten Karikaturen, die sich mit der versponnenen Originalgeschichte beißen, ein großes Fragezeichen im Gesicht stehen. Andererseits: Ein Diktator, der sich selbst zum Mond schießen will, das hat schon was. Und das traumverlorene Ambiente der nächtlichen Exkursionen des Mondmannes entschädigen für die Verschlimmbesserungen.

Wer aber wissen will, wie Ungerer selbst das Unheimliche in seinen Kinder- und Erwachsenenbüchern unter einen Hut bekommt, der sollte warten, bis der schöne Dokumentarfilm Far Out Isn't Far Enough: The Tomi Ungerer Story von Brad Bernstein in die Kinos kommt.