Gerster: Zumindest macht es mich sehr stolz, dass der Film draußen ist. Tatsächlich war einer der glücklichsten Momente in diesem ganzen Prozess der Tag, an dem ich den fertigen Film gesehen habe. Ich hatte das, was ich wollte, geschafft. (lacht) Dabei wusste ich noch gar nicht, was danach noch alles kommen würde: dass wir hier sitzen oder dass wir für den deutschen Filmpreis nominiert werden.

ZEIT ONLINE: Haben Sie Pläne, was Sie mit dem Preisgeld machen wollen?

Gerster: Ich setz mich hin und finanzier das nächste Drehbuch.

ZEIT ONLINE: Und wie lautet die nicht so brave Antwort?

Gerster: Wahrscheinlich werde ich auch einen Urlaub machen.

Schilling: Ich will so gerne gewinnen. Nicht wegen des Preisgeldes...

Gerster: Doch, ich schon!

Schilling: … ja, das ist ein netter Nebeneffekt, aber ein Endspiel will man eben gewinnen. Über meine Pläne will ich jedoch gar nicht sprechen. Das ist sicher schlecht fürs Karma.

ZEIT ONLINE: Man spricht gerne von Oh boy als Stadtfilm. Was ist darin typisch Berlin?

Gerster: Für typisch Berlin halte ich, dass diese Stadt ein Sammelpunkt ist für Leute, die sich – in welcher Form auch immer – ausdrücken wollen, für Freigeister. Das war schon immer so. In Westberlin sind viele Hippies gelandet. Wenn man hier gemeldet war, musste man nicht zum Wehrdienst. Als die Mauer fiel, stand ein halber Stadtteil leer, das zog Studenten an, Partymacher, Künstler, vor allem solche, die kein Geld hatten, um sich ein großes Atelier in Düsseldorf zu mieten, sondern sich was im Tacheles suchten.

Schilling: Das wurde dann ja auch zum Image von Berlin. Weltweit. Herr Wowereit hat das auf den Punkt gebracht, als er sagte: "Arm, aber sexy".

ZEIT ONLINE:
Ist das nicht schon ziemlich lange her?

Gerster: Es ändert sich tatsächlich. Zum Beispiel im Prenzlauer Berg: Als ich dorthin gezogen bin, gehörte alles oberhalb der Danziger Straße gar nicht mehr zur Stadt, zu runtergekommen,  subkulturell. Es gab absurde Indie-Clubs, Gothic, Goa – alles mögliche. Jetzt ist es der berühmte Prenzlauer Berg, von dem es übertrieben heißt, dass er von Schwaben und Öko-Bio-Eltern unterwandert ist. Neulich stand ich vor dem Klub der Republik, der abgerissen werden sollte, dort hing ein großes Plakat: "Erst wenn die letzte Eigentumswohnung gebaut, der letzte Klub abgerissen, der letzte Freiraum zerstört ist, werdet ihr feststellen, dass der Prenzlauer Berg die Kleinstadt geworden ist, aus der ihr mal geflohen seid." Das hatte Wirkung auf mich.