ZEIT ONLINE: Der Film verweist aber auch auf den inflationären Gebrauch von Psychopharmaka in den USA. Drehbuchautor Scott Z. Burns spricht von einem war on sadness, der in Amerika medikamentös ausgefochten wird.

Law: Ich denke, das gilt für die ganze westliche Welt. Wir versuchen die Probleme immer unter den Teppich zu kehren, damit wir weiter arbeiten und funktionieren können. Es gibt in unserer Gesellschaft eine gefährliche Sehnsucht nach schnellen Lösungen für Probleme, mit denen man sich eingehender beschäftigen sollte.

ZEIT ONLINE: Wie sieht Ihr privater war on sadness aus?

Law: Ich bin so erzogen, dass man es auch einmal genießen kann, traurig zu sein. Meine Eltern haben sehr darauf geachtet, dass wir zu Hause unsere Stimmungen nicht unterdrücken mussten und so sein konnten, wie wir uns eben fühlten. Und heute habe ich als Schauspieler ja immer eine gute Entschuldigung dafür, meine Tiefs genauso intensiv auszuleben, wie ich meine Hochstimmungen genießen kann. Anthony Minghella sagte einmal zu mir: "Manche Leute wachen auf und sehen Gelb, andere wachen auf und sehen Schwarz." Wir müssen lernen, mit unseren Stimmungen umzugehen. Schnelle medikamentöse Lösungen sind da nicht immer der beste Weg.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass ein Kinofilm als Teil der Unterhaltungsindustrie eine gesellschaftliche Diskussion in Gang setzen kann?

Law: Side Effects ist ja ein sehr unterhaltsamer, spannender Film mit vielen Verzweigungen und Wendungen. Steven Soderbergh nutzt den Thriller als trojanisches Pferd, um eine Diskussion über unser Verhältnis zu Psychopharmaka anzustoßen. Ich glaube, dass ein Thriller wie dieser sehr viel mehr zum Nachdenken anregt als ein Film, der sich explizit mit den Machenschaften der Pharmaindustrie beschäftigt.