Der Film La vie d'Adèle von Abdellatif Kechiche ist auf den 66. Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme geehrt worden. Der französische Regisseur maghrebinischer Herkunft erzählt von der leidenschaftlichen Beziehung einer 15-jährigen Schülerin und einer Kunststudentin. Adèle und Emma, zwei junge Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, nähern sich an, werden ein Paar und entfernen sich im Laufe der Jahre wieder voneinander.

Für Aufsehen sorgte der fast dreistündige Film, der auf einem Comic basiert, unter anderem durch seine expliziten Sex-Szenen. Es ist das erste Mal, dass in Cannes ein Film mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wird, in dem Homosexualität im Mittelpunkt steht. Besondere Brisanz gewinnt die Entscheidung der Jury durch die zurzeit stattfindenden Demonstrationen gegen die Homo-Ehe in Frankreich .

Der Jurypräsident Steven Spielberg sagte nach der Preisverleihung, der Film erzähle "eine sehr schöne Geschichte einer wunderbaren Liebe, mit der sich jeder identifizieren kann, unabhängig von seiner Sexualität".

Goldene Palme auch für die Hauptdarstellerinnen

Erstmals in der Geschichte der Filmfestspiele wurde der Hauptpreis nicht nur an den Regisseur, sondern auch an die Schauspieler vergeben. Die beiden Hauptdarstellerinnen, die 19-jährige Adèle Exarchopoulos und die 27-jährige Léa Seydoux bekamen ebenfalls eine Auszeichnung überreicht. Für den 52 Jahre alten Regisseur Kechiche war es der erste Preis in Cannes.

La vie d'Adèle setzte sich im offiziellen Wettbewerb 2013 gegen 19 andere Filme durch. Der zweitwichtigste Preis, der Große Preis der Jury, ging an den Film Inside Llewyn Davis von den amerikanischen Brüdern Ethan und Joel Coen . Sie hatten bereits 1991 die Goldene Palme für Barton Fink erhalten. Joel Coen hatte damals zudem den Preis für die beste Regie bekommen, ebenso 1996 für Fargo .

Der Regie-Preis in diesem Jahr ging an den Mexikaner Amat Escalante für seinen Film Heli .

Als beste Schauspielerin wurde Bérénice Bejo ( The Artist ) für ihre Rolle in Le Passé des Iraners Asghar Farhadi ausgezeichnet, als bester Schauspieler Bruce Dern in Nebraska des US-Regisseurs Alexander Payne.

Der einzige Beitrag einer deutschen Regisseurin lief in diesem Jahr in der Nebenreihe "Un certain regard", die ungewöhnliche Filme eher unbekannterer Regisseure vorstellt. Katrin Gebbes Beitrag Tore tanzt ging jedoch leer aus. Sieger in der Sparte wurde The Missing Picture des kambodschanisch-französischen Regisseurs Rithy Panh, ein Dokumentarfilm über die Opfer der Roten Khmer.

Die Internationalen Filmfestspiele von Cannes in Südfrankreich gelten als das wichtigste Filmfestival der Welt. Sie fanden erstmals im September 1946 statt und wurden seither – bis auf die Jahre 1948 und 1950 – jährlich an der Croisette unter großem Staraufgebot gefeiert. Seit 1955 wird die Goldene Palme als wichtigster Preis vergeben. 

Im vergangenen Jahr gewann der Film Amour des österreichischen Regisseurs Michael Haneke .