Dass auch der Rest sehenswert ist, liegt an Oscar Isaac alias Llewyn Davis. Natürlich musste er für die Rolle gut singen und Gitarre spielen können. Aber vor allem zeigt er auf einnehmende Weise, wie tragisch selbstzerstörerisch ein Künstler veranlagt sein kann.  

Llewyn Davis verpasst große Chancen: Als er in Chicago endlich Grossman vorspielt, bietet der ihm zwar kein eigenes Album an, aber immerhin, in einem Trio mitzuwirken. Llewyn lehnt ab. Der Zuschauer ahnt: Es ist das Trio, aus dem wenig später die Gruppe Peter, Paul und Mary hervorgehen wird und eine lange Karriere – ohne Llewyn. Er legt sich mit Leuten an, die ihm verbunden sind und ihn unterstützen könnten (seine Schwester, die Gorfeins). Er erkennt die Liebe nicht, wenn sie vor ihm steht (nun, Carey Mulligan als Jean beschimpft ihn zwar als "triple asshole", aber es war zumindest mal Liebe). Er knüpft nicht das, was man heute ein Netzwerk nennen würde, weder mit dem musizierenden Gefreiten Troy Nelson noch mit dem Gesangskünstler Al Cody noch mit seinem Freund Jim (Justin Timberlake), sondern brüskiert die Menschen aus Dogmatismus. Alle. Dennoch gehört diesem Loser unser Herz.

Tausend versteckte Hinweise für Dylan- und Folk-Fans

Sie hätten sich nicht über die Folk-Szene lustig machen wollen, sagt Joel Coen. "Bob Dylan ist wie der Mount Rushmore." An dem Denkmal könne man nicht kratzen. "Aber lustige Anekdoten gibt es schon", kann er sich dann nicht verkneifen zu ergänzen.

Inside Llewyn Davis ist ein in jeder Hinsicht gelungener Film: ein runder Plot (was nicht nur an der Katze liegt); eine gekonnte Inszenierung; ein herausragender Hauptdarsteller; eine herausragende Nebenfigur; tausend versteckte Hinweise für die vielen Dylan- und Folk-Fans; viel Coen-Humor, für alle, die ihn lieben; und ausreichend Stoff zum Nachdenken in Zeiten, in denen Scheitern zum sozialen Ausschluss führt.

Eigentlich starrten sie nur die Wände in ihrem Büro an, haben die Coen-Brüder einmal in einem Interview über ihre Arbeitsweise gesagt. Diesmal erklären sie, worüber sie dabei nachgedacht haben: "Wir hatten das Bild vor Augen, dass Dave Van Ronk einmal vor dem Gerde's Folk City zusammengeschlagen wurde. Wir fragten uns, wie es dazu kommen konnte. Das hat ein paar Jahre gedauert." Fucking cool.