Spitzenspiele im Fußball dürfen nicht ausschließlich im Bezahlfernsehen gezeigt werden. Die Fußballverbände Fifa und Uefa haben darauf keinen Anspruch, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg am Donnerstag (Az: C-201/11 P u.a.).

In der Begründung des Gerichts hieß es, dass einige Spiele "Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" sein können. Solch eine Übertragung etwa im Pay-TV würde "einem bedeutenden Teil der Öffentlichkeit die Möglichkeit nehmen, diese Ereignisse in einer frei zugänglichen Fernsehsendung zu verfolgen".

Fifa und Uefa hatten zuvor gegen die von der EU-Kommission genehmigten Regeln in Großbritannien und Belgien geklagt. Die beiden Länder hatten festgelegt, dass wichtige Spiele dort nicht nur im Bezahlfernsehen laufen dürfen. Die obersten europäischen Richter wiesen die Klage der Verbände zurück und bestätigten die Entscheidungen Belgiens und Großbritanniens.

Belgien hatte entschieden, dass alle Endrundenspiele der Weltmeisterschaft als "Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" gelten und damit öffentlich zugänglich sein müssen. In Großbritannien betrifft das zusätzlich auch die Endrunde der Fußball-Europameisterschaft.

Sendungen im Bezahlfernsehen sind eine wichtige Einnahmequelle für die Fußballverbände. Fifa und Uefa hatten sich deswegen dagegen gewehrt, dass Endrundenspiele als "Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" eingestuft werden.

Urteil gilt auch für Olympische Spiele

Der EuGH teilt diese Sichtweise grundsätzlich. Auch die Spiele der Endrunde könnten in Phasen aufgeteilt werden, die nicht alle zwangsläufig besonders wichtig für die Öffentlichkeit seien. Doch im vorliegenden Fall habe sich aus den Akten ergeben, dass die Turniere insgesamt bei einem breiten Publikum populär waren und nicht nur bei denjenigen, die ohnehin Fußballspiele im Fernsehen verfolgten.

Nach dem Urteil können die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten jetzt erzwingen, dass Fernsehübertragungen von Endrundenspielen der Fußball-WM und der EM frei zugänglich sind. Das gilt nicht nur für wichtige Fußballpartien, sondern auch für die Olympischen Spiele.

In Deutschland regelt der Rundfunkstaatsvertrag, dass bestimmte Großereignisse "von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" nur dann im Pay-TV ausgestrahlt werden dürfen, wenn sie zugleich im Free-TV zu sehen sind. Die Free-TV-Rechte an den Spielen der kommenden Fußball-Weltmeisterschaften 2014 und 2018 sowie der EM 2016 liegen bei ARD und ZDF. Die Rechte an den deutschen Qualifikationsspielen zur EM 2016 und WM 2018 hatte sich in der Vorwoche RTL gesichert.